Rasur vor der OP fördert postoperative Wundinfektionen

Autor: Dr. Susanne Gallus

Wenn nicht gerade ein undurchdringbarer Busch auf den Operierenden wartet, sollte auf eine Rasur verzichtet werden. © nosorogua – stock.adobe.com

Wenn nicht grade ein Urwald herrscht, sollte man die Haare im Eingriffsbereich belassen. Außerdem reicht Leitungswasser zur Wundspülung offenbar aus.

Vor einem operativen Eingriff den Patienten zu rasieren, hat sich lange Zeit als Standard gehalten. „Jede Woche gehe ich durch unsere Säle und finde immer wieder Einmalrasierer“, berichtete Privatdozent Dr. Christian­ Eckmann, Allgemeinchirurg vom Klinikum Peine.

Für bessere Sicht chemisch oder elektrisch depilieren

Doch der Vergleich von 18 randomisierten Studien lässt kein gutes Haar an dem Wegwerfartikel, so hatten konventionell epilierte, ver­glichen mit nicht rasierten Patienten, ein erhöhtes Risiko für Wundinfektionen. „Es ist eigentlich das Beste die Haare zu belassen.“ Falls es zur Übersichtlichkeit nötig wird, die üppige Pracht zu entfernen, empfiehlt sich das elektrische Clipping oder die chemische Depilation. Beide zeigten sich dem Belassen weder über- noch unterlegen.

Einfachheit ist auch bei der Wundspülung angesagt. Das Robert Koch-Institut rät von der Wundsäuberung mit Leitungswasser ohne Sterilfilter zugunsten von sterilen Flüssigkeiten ab, weil „trotz regelmäßiger Kontrollen das Vorkommen von pathogenen Erregern nicht ausgeschlossen werden kann“, erklärt Dr. Eckmann. Allerdings ergaben eine Cochrane-Analyse und mehrere kleinere Studien aus jüngerer Zeit keinen Hinweis auf erhöhte Gefahr. Gerade im ambulanten Setting „kann man Leitungswasser sehr, sehr gut verwenden zu diesem Zwecke“, so Dr. Eckmann.

Quelle: Infektio-Update-Seminar 2019