Rauchen: Medikamente führen nur kurzfristig zur Abstinenz

Autor: Michael Brendler

Dank Nikotinpflastern und anderer medikamentöser Mittel halten es 70–80 % der Abstinenzwilligen ohne eine einzige Zigarette aus. © iStock/KatarzynaBialasiewicz

Viele Raucher schaffen den Absprung vom Glimmstängel mit medikamentöser Hilfe. Doch Bupropion, Vareniclin und Co. verhelfen meist nur kurzfristig zum Erfolg. Der Einsatz scheint sich dennoch zu lohnen.

Die Quote kann sich sehen lassen: Dank Nikotinpflastern und anderer medikamentöser Mittel halten es 70–80 % der Abstinenzwilligen ohne eine einzige Zigarette aus – in den ersten 24 Stunden. Über die Zahlen nach Monaten oder gar Jahren weiß man bisher wenig. Licht ins Dunkel bringen jetzt Dr. Laura J. Rosen vom Department of Health Promotion der Tel Aviv University und Kollegen.

Anhand einer 61 Studien umfassenden Metaanalyse beleuchteten sie den Nutzen, den Bupropion, Vareniclin und eine Nikotinersatztherapie für die langfristige Raucherentwöhnung bringen. Wie die Daten von 27 647 Personen zeigen, nehmen die Erfolgsraten kontinuierlich ab. Nach drei Monaten konnten im Schnitt nur noch etwa 37 % der Probanden ihre Finger vom Glimmstängel lassen, nach sechs Monaten schrumpfte die Quote auf rund 27 % (Netto-Benefit im Vergleich zur Kontrolle: 11,8 %). Nach einem Jahr schaffte es gar nur noch jeder Fünfte abstinent zu bleiben, unabhängig vom Arzneimittel.

Kleines Trostpflaster: Den Kontrollgruppen unter psychologischer Intervention erging es ähnlich. Langfristig konnte hier nur etwa jeder Zehnte dem Genussgift entsagen. Sollten Kollegen dennoch ihren Patienten empfehlen, zu Medikamenten zu greifen?

Nikotinverzicht verlängert das Leben um drei Jahre

Die Autoren um Dr. Rosen meinen ja. Trotz der sinkenden Zahlen sei der gesundheitliche Vorteil des Nikotinverzichts klinisch äußerst bedeutsam und spare Kosten. In einer früheren Studie errechnete ein Psychologe, dass mit jedem Prozent, das die Abstinenzquote der Sechs-Monats-Marke steigt, hundert behandelte Raucher drei Jahre länger leben. Unrealistische Erwartungen sollte man bei den Patienten dennoch nicht wecken.

Rosen LJ et al. Addiction 2018; online first