Rheumatoide Arthritis: Welcher Grippeimpfstoff hilft wirklich?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Um Rheumapatienten gut vor der nächsten Grippewelle schützen zu können, müssen härtere Geschütze aufgefahren werden. © BillionPhotos.com – stock.adobe.com

Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis sprechen schlechter auf die gängigen Grippeimpfstoffe an als Gesunde. Eine für Senioren zugelassene, gut verträgliche Hochdosis-Vakzine schützt sie besser.

Die Grippewelle trifft einige besonders hart. Vor allem Rheumapatienten sind gefährdet. Sie sollten sich daher immunisieren lassen. Ungünstigerweise induzieren die Standardvakzinen bei ihnen häufig keinen ausreichenden Impfschutz, berichten die Rheumatologen um Professor Dr. Inés­ Colmegna­ von der McGill University in Montreal.

Stärkere Immunogenität, anhaltender Effekt

Da für Senioren ähnliches gilt, wurde für diese Indikationsgruppe eine hoch dosierte trivalente Vakzine zugelassen, die aufgrund einer höheren Immunogenität eine stärkere humorale Antwort hervorruft. Die Autoren testeten diesen Impfstoff nun an 139 Patienten mit seropositiver rheumatoider Arthritis (RA) unter verschiedenen DMARD*-Regimes. Die Kontrolle erhielt den niedriger dosierten quadrivalenten Standard.

Die hoch dosierte Variante lös­te eine stärkere Immunogenität aus als der Standard und erhöhte nach 28 Tagen die Chancen auf eine Serokonversion deutlich. Mit Ausnahme des Virusstammes A/H1N1/Michigan hielt der Schutz über mindestens 186 Tage an.

Seroprotektion noch nicht ideal

Nebenwirkungen traten in beiden Studienarmen ähnlich häufig auf. Keine der beiden Vakzinen verstärkte die Rheumaaktivität. Dennoch erzielte der hoch dosierte trivalente Impfstoff bei seropositiven Rheumapatienten nur eine unterdurchschnittliche Seroprotek­tion, bemängelt Professor Dr. Ann­ Regina­ Falsey­, Infektiologin an der University of Rochester. Angesichts dessen müsse die Suche nach effektiven Vakzinen für dieses extrem vulnerable Kollektiv fortgesetzt werden.

* disease-modifying antirheumatic drug

1. Colmegna I et al. Lancet Rheumatol 2020; 2: Pe14-e23; DOI: 10.1016/S2665-9913(19)30094-3
2. Falsey AR et al. A.a.O.: Pe2-e3; DOI: 10.1016/S2665-9913(19)30112-2