Rosazea mit Azelainsäure in Gelform bekämpfen

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Die früher als Kupferrose bezeichnetete Rosazea tritt bei Erwachsenen überwiegend im Bereich des Mittel­gesichtes auf. © Milan Lipowski – stock.adobe.com

Nur eine harmlose Gefäßerweiterung? Nein, die Rosazea ist bereits im Initialstadium eine entzündliche Gesichtsdermatose. Mitentscheidend für die Prognose sind Störungen des angeborenen Immunsystems. Zu den lokaltherapeutischen Optionen der ersten Wahl zählt die Azelainsäure. Allerdings muss die Galenik stimmen.

Typisch für die beginnende Rosazea sind Flush-Reaktionen, zunächst ist der Blutfluss in den oberflächlichen Schichten der Gesichtshaut erhöht, dann kommt es zu einer serös-exudativen Entzündung mit passagerer Ödembildung. Die rezidivierende Steigerung der lymphpflichtigen Last führt schließlich zu einer chronischen Inflammation, berichtete der Kölner Dermatologe Privatdozent Dr. Thomas Jansen.

Großen Einfluss auf die Pathogenese der Rosazea haben Fehlsteuerungen des angeborenen Immunsystems – also der unspezifischen Abwehr, die vor allem an Körper­oberflächen wichtig ist. Dadurch kommt es z.B. zu einer vermehrten Sekretion von antimikrobiellen Peptiden wie den Cathelicidinen, die ebenfalls die chronische Entzündung fördern. Eine wichtige Rolle spielt auch die Demodex-Milbe, sie ist zwar nicht die Ursache der Rosazea, aber ein wichtiger Trigger der Entzündung, erklärte der Kollege.

Nur mittlere Evidenz für Metronidazol

Die lokale Anwendung von Aze­lainsäure zählt zu den Optionen der ersten Wahl bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Rosazea papulopustulosa. Der Therapie mit der körpereigenen Dicarboxylsäure wird in einem Cochrane-Review ein hoher Evidenzgrad bescheinigt, vergleichbar mit dem von Ivermectin und Brimonidin. Metronidazol bekommt dagegen nur noch einen mittleren Evidenzgrad zugebilligt.

Ein Vorteil der Azelainsäure: Sie wirkt nicht photosensibilisierend, kann also ganzjährig angewendet werden. Auch die Kombination z.B. mit einer systemischen Therapie ist jederzeit möglich. Die Substanz steht als 15-%-Gel und als 20-%-Creme zur Verfügung. In dem stark hydrophilen Gel (Wassergehalt 70 %) ist der Anteil des gelösten Wirkstoffs wesentlich höher als in der Creme (25 % vs. 3 %). Außerdem wird aus dem Gel mehr Azelainsäure in die Haut aufgenommen (25,3 % vs. 3,4 %).

Option für Acne tarda plus Rosazea

Zugelassen ist das 15-%-Gel für die Behandlung von Rosazea und Akne. Als wichtige Indikation nannte Dr. Jansen die zunehmende Gruppe von Patientinnen, die nach dem 20. Lebensjahr noch Akne haben (A. tarda) und klinische Zeichen einer Rosazea aufweisen. Sie lassen sich mit Azelainsäure erfahrungsgemäß gut behandeln. Auch Rosazea-Patienten mit perioraler Dermatitis, seborrhoischem Ekzem oder Melasma ­profitieren.

Azelainsäure hemmt die Melaninsynthese und wirkt deshalb auch gegen postinflammatorische Hyperpigmentierungen bei Akne. Außerdem werden wichtige Komponenten der Rosazea-Pathogenese beeinflusst, darunter der Cathelicidin-Signalweg und die Aktivität der Serinproteasen. Klinisch werden die Papulopusteln deutlich reduziert und das periläsionale Erythem geht ebenfalls zurück.

Einmal tägliche Anwendung so gut wie die zweimalige

Vor allem am Anfang der Behandlung kann es zu einem Brennen und Stechen der Haut kommen, was die dermale Barrierefunktion jedoch nicht beeinträchtigt. Die einmal tägliche Applikation des Azelainsäure- 15-%-Gels über zwölf Wochen hat sich in einer randomisierten Doppelblindstudie als ebenso wirksam erwiesen wie die zweimalige Anwendung. Wichtig für die Praxis ist eine Erhaltungstherapie zur Rezidiv­prophylaxe.

Quelle: DERM 2019 – Fachtagung dermatologische Praxis


Rosazea im Bereich des Mittel­gesichtes. © Milan Lipowski – stock.adobe.com