Schmerzen trotz neuem Knie?

Autor: Dr. Andrea Wülker

Nicht wenige Patienten sind mit ihrer Kniegelenks-Prothese unzufrieden. © wikimedia/FJacquot (CC BY-SA 3.0)

Auch nach der OP haben viele Patienten noch Schmerzen und Bewegungseinschränkung im Knie. Vorschnelle Revisionen sollten vermieden werden, denn bei jeder OP geht noch mehr Knochen zugrunde.

Nicht wenige Patienten sind mit ihrer Kniegelenks-Prothese unzufrieden. Sie klagen auch nach der Operation noch über Belastungsschmerzen, Schwellungen oder Instabilität. Woran liegt das – und was hilft?

Lange Schmerzverläufe nach Einsatz einer Knietotalendoprothese stellen keine Ausnahme dar: Bis zu 25 % der Patienten sind betroffen. Eine schmerzhafte Knieprothese ist eine Geduldsprobe für Patient und Arzt, schreiben Dr. Michael Wörner und Kollegen von der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg, Asklepios Klinikum Bad Abbach.

Anamnese und ausführliche körperliche Untersuchung

Es gibt vielfältige Ursachen für die Beschwerden, diese lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen:

  • Bewegungseinschränkung, insbesondere eine eingeschränkte Knieflexion. Dahinter stecken oft (bio-)mechanische Ursachen wie ein nicht richtig dimensioniertes Kunstgelenk oder osteophytäre Anbauten. Andere Gründe für die verringerte Beweglichkeit sind z.B. eine Kapsel-Band-Kontraktur oder Insertionstendinopathie.
  • Instabilität, verursacht durch Bandinsuffizienz, Muskelhypotrophie oder Achsenfehlstellung,
  • Frühe oder späte Infektionen,
  • Prothesenlockerung (septisch oder aseptisch), die sich z.B. durch zunehmende Schmerzen und Instabilitätsgefühl bemerkbar machen kann.

Somit haben bei Problemen mit der Knieprothese die detaillierte Anamnese und systematische körperliche Untersuchung erst einmal Vorrang. Auch das Gangbild, die Beinachsen, aktive sowie passive Beweglichkeit, Muskelstatus und Hautfarbe sowie -temperatur (Entzündungszeichen!) müssen beurteilt werden.

Neben den Standard-Röntgenaufnahmen beider Kniegelenke gehören Patella-Tangential- und Ganzbeinstandaufnahmen zur bildgebenden Diagnostik. Als Labortests kommen generell BSG, CRP und Differenzialblutbild in Betracht. Gegebenenfalls sind auch spezielle Untersuchungen, etwa CT, Szintigraphie und Punktion, indiziert – z.B. bei Patienten mit geplanter Revisionsoperation.

Revision nur bei klarer Indikation

Allerdings weisen die Autoren nachdrücklich darauf hin, die Indikation für eine erneute Operation streng zu stellen. Patienten mit unklarer Symptomatik und „erschwerter Diagnosefindung“ sollten man keinesfalls zu einer Revisionsoperation raten, warnen die Kollegen. Literaturdaten zufolge sind die dabei erzielten Ergebnisse oft nicht überzeugend.

Oft bessern konservative Maßnahmen wie beispielsweise Krankengymnastik oder subkutane Lokalanästhetika-Injektionen die Beschwerden deutlich. Jeder Prothesenwechsel, warnen die Kollegen, führt dagegen unweigerlich zu einem Verlust an Knochensubstanz. Sollte dennoch eine Revisionsoperation indiziert sein, sollte sie an einem spezialisierten Zentrum von einem erfahrenen Operateur vorgenommen werden.

Quelle: Michael Wörner et al., Orthopäde 2014;43:440-447