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Schutz gegen Tetanus und Diphtherie hält wohl dauerhaft

Autor: Dr. Daniela Erhard

Einmal impfen und gut ist’s – zumindest laut Studien. Einmal impfen und gut ist’s – zumindest laut Studien. © iStock/Hailshadow
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Wie die Inzidenzraten von Tetanus und Diphtherie aus 31 Ländern Europas und Nordamerikas zeigen, scheint eine regelmäßige Auffrischung des Impfschutzes bei Erwachsenen nach einer ersten vollständigen Immunisierung im Kindesalter kaum notwendig.

Im Gegensatz zur WHO halten viele Länder an regelmäßigen Auffrischimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus bei grundimmunisierten Menschen fest. In Deutschland empfiehlt die STIKO* diese für Erwachsene im Abstand von zehn Jahren.1

Eventuell sind sie aber gar nicht nötig. Ein Vergleich zwischen 31 Ländern aus Nordamerika und Europa zeigt, dass beide Krankheiten ohne Routine-Auffrischung genauso selten auftreten wie mit.2

Ariel M. Slifka und andere Wissenschaftler vom Oregon National Primate Research Center in Beaverton und Portland erechneten für die Jahre 2001 bis 2016 Tetanus-Inzidenzraten von 0 bis 1,08 Fällen pro eine Million Personenjahre in Ländern mit Auffrischimpfung. Ohne Booster kam es zu Raten von 0 bis 1,14. In beiden Gruppen nahm die Tetanushäufigkeit im genannten Zeitraum ab, von durchschnittlich 0,37 bis 0,45 Fällen pro eine Million Personenjahre auf 0,23 oder weniger. Die Impfquoten in den untersuchten Ländern betrugen 87–99 %.

Noch niedriger waren die Fallzahlen für Diphtherie. Zumindest, wenn die Autoren Lettland aus der Analyse herausließen. Dort erkrankten zwischen 2001 und 2016 jährlich gut zehn von einer Million Einwohnern. In den übrigen Ländern mit Routine-Auffrischung schwankten die Inzidenzraten von 0 bis 0,16, ohne entsprechendes Impfschema zwischen 0 und 0,04. Im Mittel trat in beiden Gruppen etwa ein Diphtheriefall pro 50 Millionen Personen und Jahr auf. Dies betraf größtenteils Menschen, die gar nicht oder unvollständig geimpft waren.

Auffrischimpfung erzeugt nur Kosten und Nebenwirkungen

Nach Ansicht der Autoren bringen Auffrischungen also keinen Mehrwert und sind daher verzichtbar. Allein in den USA könnten ohne sie jedes Jahr schätzungsweise 13 200 lokale Impfreaktionen, 800 impfbedingte Phlegmonen und 73 Ulzerationen vermieden sowie Kosten von einer Milliarde Dollar eingespart werden. Als Argument gegen das Impfen wollen die Forscher ihre Arbeit allerdings nicht verstanden wissen. Sie plädieren dafür, dass jeder als Kind einen Tetanus- und Diphtherieschutz vollständig erhält.3 So wie es aussieht, sei man dann aber auch lebenslang geschützt

* Ständige Impfkommission

Quellen:
1. Robert Koch-Institut. Epid Bull 2019; 34: 3 13-364; DOI: 10.25646/6233.6
2. Slifka AM et al. Clin Infect Dis 2020; DOI: 10.1093/cid/ciaa017
3. Pressemitteilung der Oregon Health & Science University

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