Anzeige

CAR-T-Zell-Therapie Score soll Wahrscheinlichkeit für CRS und ICANS ermitteln

Autor: Josef Gulden

Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Therapie auf das Nervensystem umfassen u.a. Kopfschmerzen, Halluzinationen und epileptische Anfälle. Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Therapie auf das Nervensystem umfassen u.a. Kopfschmerzen, Halluzinationen und epileptische Anfälle. © ktsdesign – stock.adobe.com
Anzeige

Eine CAR-T-Zell-Therapie kann mit schweren Nebenwirkungen wie Zytokinfreisetzungssyndrom und neurologischen Toxizitäten einhergehen. Könnte man die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens vorhersagen, so ließen sich Prophylaxe und Management optimieren. Der EASIX-Score scheint sich dafür zu eignen.

Ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und neurologische Komplikationen (immuneffektorzellassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom, ICANS) sind die wichtigsten und potenziell dramatische Nebenwirkungen einer CAR-T-Zell-Therapie. Bisher ist es schwierig, vorherzusagen, welche Patienten ein erhöhtes Risiko dafür haben.

Ein für die Entwicklung maßgeblicher Mechanismus ist die endotheliale Aktivierung. Sie wird durch Zytokine verursacht, deren Konzentration – ebenso wie die von Entzündungsmarkern – mit der Schwere von CRS und ICANS korreliert.

Prädiktion anhand von Laborparametern

Ähnliche Mechanismen laufen auch nach einer allogenen Stammzelltransplantation ab und für dieses Setting wurde der EASIX*-Score entwickelt, mit dem sich transplantationsassoziierte Toxizitäten vorhersagen lassen (s. Kasten). Am M.D. Anderson Cancer Center in Houston untersuchten Dr. Uri Greenbaum und Kollegen deshalb, ob sich der Score auch für die Risikoprädiktion von CRS und ICANS nach einer CAR-T-Zell-Therapie eignet.1 

Der EASIX-Score

In den EASIX-Score gehen die Konzentrationen von Kreatinin und Laktatdehydrogenase sowie die Thrombozyten-Werte ein. Er gilt als Surrogatmarker für die Endothel-Aktivierung und korreliert stark mit anderen Biomarkern der endothelialen Dysfunktion und Komplement­­aktivierung. Ein erhöhter Score ist mit einer gesteigerten, nicht durch Rezidive bedingten Mortalität und einem kürzeren Überleben nach allogener Transplantation assoziiert.

Basis waren die prospektiven Daten von 171 Patienten, die wegen eines großzelligen B-Zell-Lymphoms mit Axicabtagen Ciloleucel behandelt worden waren. Die Forscher sammelten die für den EASIX-Score erforderlichen Werte sowie eine Reihe anderer Laborparameter, die vor der Lymphodepletion erhoben worden waren. Jeweils knapp die Hälfte der Teilnehmer entwickelte ein CRS (47 %) bzw. ICANS (49 %) vom Schweregrad 2–4. Kombinierten die Autoren den EASIX-Score mit den Ferritin-Werten, so erhielten sie ein Modell (EASIX-F), mithilfe dem sie drei Risikoklassen bezüglich des Auftretens eines CRS vom Grad 2–4 vorhersagen konnten: In der Gruppe mit dem niedrigsten Risiko betrug dieses kumulativ 23 %, in der mittleren lag es bei 49 % (Hazard Ratio gegenüber der Niedrigrisikogruppe als Referenz 2,3; p = 0,04) und in der Hochrisiko-Kategorie bei 74 % (HR 4,8; p < 0,001). Bezüglich der Prädiktion von ICANS vom Grad 2–4 profitierte das entsprechende Modell von der zusätzlichen Einbeziehung der CRP-Werte (EASIX-FC): Die Kollegen bezifferten hier das niedrigste Risiko mit 29 %, das mittlere mit 51 % (HR 2,1; p = 0,025) und das höchste mit 74 % (HR 3,6; p < 0,001). Einfache Laborparameter, die vor der Lymphodepletion gemessen werden, korrelieren mit dem Risiko eines CRS bzw. von ICANS nach der CAR-T-Zell-Therapie, schlussfolgern die Wissenschaftler. Damit lassen sich klinische Entscheidungen zielgerichteter treffen– etwa für ein präemptives Management der Toxizitäten, die Dauer der stationären Behandlung oder das angemessene Setting für die zelluläre Behandlung.

Ansatz für Vorhersage hämatologischer Effekte

Einen weiteren Score für die Prädiktion einer Hämatotoxizität nach der Gabe von CAR-T-Zellen präsentieren Kollegen um Dr. Kai Rejeski, LMU Klinikum München.2 In diesen CAR-HEMATOTOX-Score gehen Marker für die hämatopoetische Reserve zu Beginn (Thrombozyten, Hämoglobin und Neutrophile) sowie Entzündungsmarker wie CRP und Ferritin ein. Damit lässt sich ein erhöhtes Risiko für persistierende Neutropenien sowie für schwere Thrombozytopenien und Anämien nach der Applikation der Zellen vorhersagen.

* Endothelial Activation and Stress IndeX

1. Greenbaum U et al. Blood Adv 2021; 5: 2799-2806; DOI: 10.1182/bloodadvances.2021004575
2. Rejeski K et al. Blood 2021; DOI: 10.1182/blood.2020010543

Anzeige