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Sieben Erfahrungswerte von renommierten Urologen und Onkologen

Autor: Dr. Ine Schmale

Erst durch geteiltes Wissen kann Fortschritt entstehen. Erst durch geteiltes Wissen kann Fortschritt entstehen. © iStock/http://www.fotogestoeber.de
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Die Balance zwischen Unter- und Übertherapie halten, aus dem Behandlungserfolg lernen und einen Fokus auf ein de novo chronisches Nierenversagen legen – drei Kollegen sprachen über wichtige Erkenntnisse im Verlauf ihrer Karriere.

Harnblasenkarzinom

Als Dr. Mark Soloway, Urologic Oncology at Memorial Healthcare System, Hollywood, seine Karriere 1970 begann, gab es für die Behandlung des Harnblasenkarzinoms nur die Bestrahlung. Seit 1970 arbeitet er an der Optimierung der Therapie. Eine seiner Forderungen lautete:

1. Übertherapie von niedriggradigem Ta-Urothelkarzinom verhindern: Egal ob primär oder rezidiviert – hochdifferenzierte Tumoren (G1) im Ta-Stadium sollten dem Experten zufolge als Karzinome mit niedrigem Risiko behandelt werden. Demnach fokussiert sich die Kontrolle auf minimal-invasive Eingriffe. Das senkt die Kosten ohne den Therapieerfolg zu beeinflussen.

Nierenzellkarzinom

Professor Dr. Inderbir S. Gill vom Catherine and Joseph Aresty Department of Urology an der University of Southern California in Los Angeles gehört zu den internationalen Spezialisten für die robotische und laparoskopische Chirurgie von urologischen Karzinomen. Seine wichtigsten Erkenntnisse waren:

2. Überwachen statt therapieren: Nicht alle kleinen Nierenzellläsionen müssen behandelt werden. Denn kleine Läsionen wachsen langsam und häufig nicht progredient, betonte Prof. Gill. Je kleiner ein Tumor sei, desto geringer sei auch die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Metastasen.

3. Fokus auf bestehendem chronischem Nierenversagen: Dem Referenten zufolge sei ein de novo chronisches Nierenversagen durch eine Nephrektomie weniger relevant als ein bereits bestehendes chronisches Nierenversagen durch eine systemische Medikation. Etwa 25–30 % der Patienten haben ein vorbestehendes chronisches Nierenversagen und benötigen eine partielle Operation, um jedes mögliche Nephron zu erhalten. Da Betroffene ein erhöhtes Risiko für eine akute Nieren­schädigung durch eine verlängerte Ischämie haben, profitieren sie von einer minimierten oder eliminierten Ischämie.

4. Das Rezept für die ideale partielle Nephrektomie: Dazu gehört Prof. Gills Meinung nach die komplette Tumorexzision mit dünnen negativen Rändern von 1 mm und einem maximal erhaltenen Nierenvolumen. Eine Ischämie muss eliminiert und das Risiko für akute Nierenschäden bzw. ein neu auftretendes chronisches Nierenversagen minimiert werden. Die Blutstillung des Bettes sollte mit Nähten erfolgen. Minimale Komplikationen bedeuten eine schnelle Genesung.

Prostatakarzinom

Der Urologe Professor Dr. Peter R. Carroll, University of California, San Francisco, arbeitet an der Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten. Das sind seine Botschaften:

5. Eine Infrastruktur bilden und sie nutzen: Aus den verfügbaren Daten kann man viel lernen, wenn man sie als Quellen nutzt. Beispielsweise wurde der CAPRA-Score durch Analyse der Daten von tausenden Patienten entwickelt und validiert.

6. Therapieerfolg messen und daraus Schlüsse ziehen: Prof. Carroll plädierte dafür, stets nach Möglichkeiten zu suchen, die Behandlung und den Erfolg zu verbessern. „Seid bereit, anders zu denken und zu handeln“, forderte der Urologe.

7. Gutes Maß zwischen Unter- und Überbehandlung finden: Active Surveillance ist eine Antwort auf die Überdetektion und Überbehandlung infolge des PSA-Screenings. Neue Bildgebung wie das PSMA PET/CT wiederum kann helfen, nicht zu wenig zu behandeln. Der Referent sprach sich dafür aus, Therapieentscheidungen häufiger anhand der Lokalisation zu treffen, insbesondere beim biochemischen Rezidiv.

Quelle: Soloway M, Gill I, Carroll PR. EAU 20 Virtual; Thematic Session 05

Kongressbericht: EAU20 Virtual

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