Sport und Abnehmen senken das Lymphödemrisiko nach Brustkrebs-OP

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Nach der Brustkrebs-Operation senkt regelmäßige Bewegung das Risiko eines Lymphödems. © iStock.com/CatLane

Einer 43-jährigen Brustkrebspatientin wurden zwölf Lymphknoten entfernt. Die übergewichtige Frau erhält eine adjuvante Radiotherapie. Somit trägt sie ein hohes Risiko, ein Lymphödem zu entwickeln. Daher sollte sie regelmäßig zur Kontrolle gehen und sich viel bewegen.

Prognostisch entscheidend ist die frühe Diagnose eines Lymphödems. Diese gelingt meist klinisch aufgrund der Schwellung des betroffenen Arms. In Zweifelsfällen können MRT und Lymphszintigraphie weiterhelfen, schreibt Dr. Stanley G. Rockson von der Stanford University School of Medicine. Regelmäßige Nachsorge beschleunigt das Erkennen der Lymphgefäßschädigung offenbar erheblich, was sich auch in einer effektiveren Therapie und in geringeren Krankheitskosten niederschlägt. In einer prospektiven Studie reduzierte die Kombination von aggressiver Risikominderung und Nachsorge die Inzidenz auf 4,4 % im Vergleich zu 36,4 % in der Kontrollgruppe. Zur Untersuchung wird am häufigsten die Bioimpedanz-Spektroskopie eingesetzt, die bereits subklinische Veränderungen aufspüren kann.

Tricks aus dem OP

In manchen Fällen lässt sich die lymphatische Funktion mit einem mikrochirurgischen Eingriff wiederherstellen. Am häufigsten angelegt werden lymphovenöse Anastomosen. Zunehmend genutzt wird die Autotransplantation von vaskularisierten Lymphknoten in den ödematösen Arm. Die OP dient inzwischen auch der Prävention: So kann man die Anastomose schon bei der axillären Lymphknoten-Dissektion anlegen. Ist das Lymphödem fortgeschritten, hilft eventuell eine Liposuktion, denn das überschüssige Gewebe besteht zu fast 100 % aus Fett.

Risikopatientinnen im ersten Jahr viermal zur Kontrolle

Kontrovers diskutiert wird, wie sich das Risiko für ein Lymphödem bei Brustkrebs senken lässt. Den Patientinnen wird üblicherweise empfohlen, eine heiße Umgebung zu meiden, auf Venenpunktionen und Injektionen auf der operierten Körperseite zu verzichten und dort auch nicht den Blutdruck zu messen. Evidenzbasiert sind diese Ratschläge nicht, räumt Dr. Rockson ein. Besser gesichert ist dagegen schon der Nutzen einer Gewichtsreduktion.

Medikamente zur Behandlung lymphatischer Schwellungen gibt es bisher nicht, die Therapie fußt auf physiotherapeutischen Maßnahmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die manuelle Lymphdrainage. Ergänzt wird sie durch das Tragen vom Kompressionsbandagen, Bewegungsübungen und eine gute Hautpflege.

Die manuelle Lymphdrainage ist allerdings umstritten: Eine Metaanalyse konnte keine Reduktion des Ödems nachweisen – möglicherweise wegen der mangelnden Qualität der Studien, so Dr. Rockson. Ein Cochrane-Review bescheinigte der Methode dagegen sehr wohl einen Effekt: Die Kombination von Drainage und Kompression wirke besser als Bandagen allein. Nach dem Abschwellen kann ein maßgefertigter Armstrumpf den Erfolg sichern. Eine weitere Option ist die intermittierende pneumatische Kompression, die das Ödem sowohl während der aktiven Therapie als auch in der Erhaltungsphase verringert.

In der Muckibude bessern sich die Symptome

Studien ergaben, dass ein Programm mit langsam aufgebautem Krafttraining nicht zu einer Exazerbation des Lymphödems führt, die Beschwerden besserten sich sogar. Nach axillärer Dissektion steigen weder das Lymphödem-Risiko noch die Armsymptome. Auch ein aerobes Bewegungstraining gilt als sicher.

Bei der eingangs erwähnten Brustkrebspatientin erhöhen mehrere Faktoren das Risiko für ein Lymphödem: Ihr BMI beträgt 29 kg/m2. Zudem wurden ihr Lymphknoten und eine Metastase entfernt. Ferner erhält sie eine Radiotherapie. Um ein beginnendes Lymphödem frühzeitig zu erkennen, sollte im ersten Jahr nach der Behandlung alle drei Monate eine Bioimpedanz-Messung vorgenommen werden, empfiehlt Dr. Rockson. Bei Beschwerden oder Veränderungen in der Bioimpedanz wäre eine entstauende Physiotherapie indiziert. Er würde auch zu einer Gewichtsreduktion und zu regelmäßiger Bewegung raten.

Quelle: Rockson SG. N Engl J Med 2018; 379: 1937-1944