STIKO gibt erstmals Tipps, wie sich Abläufe in der Praxis optimieren lassen

Autor: Dr. Sascha Bock

Damit bei einer Virusattacke genug Antikörper parat stehen, können Sie Patienten mittels Recallsystem an Impfungen erinnern. © iStock.com/MicroStockHub, man_at_mouse

Impfungen sollen besser im Praxisalltag verankert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, widmet sich die Ständige Impfkommission in ihren alljährlichen Empfehlungen nun auch kommunikativen und organisatorischen Aspekten.

Neben den gewohnten Updates zum Schutz vor diversen Erregern (s. Kasten) geht die Ständige Impfkommission (STIKO) in den aktualisierten Empfehlungen auf das Vorgehen in der Praxis ein. Damit Patienten Vakzinierungen mehr in Anspruch nehmen, gilt es u.a., die Arbeitsabläufe zu koordinieren und Zuständigkeiten festzulegen.

Die wichtigsten Neuerungen

  • Influenza: quadrivalenten Impfstoff verwenden
  • HPV: geschlechtsneutrale Empfehlung für alle von 9–14 Jahren
  • FSME: neue Risikogebiete
  • zweite Tdap- und erste Polioauffrischimpfung: obere Altersgrenze von 17 auf 16 Jahre herabgesetzt
  • praktische Tabellen z.B. zur sequenziellen Pneumokokkenimpfung, zur Tetanus-Post­expositionsprophylaxe und zur Vakzinierung für Asylsuchende

Patientenkontakte und Einladungen:

Richten Sie für Ihre Patienten Erinnerungs-(Recall-)Systeme via Post, Telefon oder Mail ein. Diese können rechtzeitig an fällige Impfungen erinnern und Teilnahmeraten erhöhen, schreiben die Experten der STIKO. Muster für die notwendige Einverständniserklärung finden Sie z.B. bei den KVen. Grundsätzlich sollte der Impfstatus bei jedem Arztbesuch geprüft werden. Insbesondere bieten sich Erstkontakte, Vorsorgetermine, saisonale Anlässe (Reisen etc.) sowie spezielle Ereignisse (Kindergarteneintritt, Gesundheitsbescheinigung für Praktika etc.) an.

Organisatorisches und Logistik:

Kontrolliert in Ihrer Praxis gezielt ein Mitarbeiter die Impfstoffbestände und bestellt Nachschub? Falls nicht, ergibt es durchaus Sinn, einen Angestellten inkl. Stellvertreter mit der Organisation zu beauftragen. Zudem geben viele Praxisverwaltungssysteme einen Überblick über das Depot. Eingewiesenes Personal kann sich auch um Schulungen für die übrigen Mitarbeiter kümmern.

Aufgaben des Praxispersonals:

Jeder in der Praxis trägt mit einfachen Maßnahmen zu einem erfolgreichen Impfmanagement bei. Das fängt schon bei der Terminvergabe an, indem Patienten mündlich oder schriftlich an ihren Impfpass erinnert werden, Infomaterial an die Hand bekommen oder zur Vakzinierung motiviert werden. Geschulte Mitarbeiter helfen, Lücken im Bakterien- und Virenschutz zu erkennen und einen Impfplan zu erstellen. Steht in der Sprechstunde eine Vakzinierung an, können sie beispielsweise Pass und Spritze vorbereiten.

Lagerung:

Wer glaubt, es genügt einen Impfstoff bei 2–8° C aufzubewahren und regelmäßig die Temperatur zu kontrollieren, der irrt. Wichtig ist darüber hinaus der Ablageort im separaten Kühlschrank. Auf keinen Fall sollte die Verpackung die Außenwand berühren, in der Tür hat das Arzneimittel ebenfalls nichts verloren. Und denken Sie daran, einen Impfstoff zu verwerfen, falls dieser versehentlich falsch gelagert oder eingefroren wurde. Denn dadurch bilden sich möglicherweise Haarrisse in den Ampullen und gefährden die Sterilität.

Quelle: Empfehlungen der STIKO am Robert Koch-Institut. Epid Bull 2018; 34: 335-382