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Schilddrüsenhormone Stoffwechsel gestört trotz normaler Werte?

Autor: Bianca Lorenz

Die Schilddrüse spielt eine Schlüsselrolle beim Stoffwechsel. Die Schilddrüse spielt eine Schlüsselrolle beim Stoffwechsel. © Peakstock – stock.adobe.com
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Ihre Werte zu bestimmen, gehört zu den Routineuntersuchungen in jeder Arztpraxis. Doch trotz einer korrekt arbeitenden Schilddrüse können Zielorgane erkranken. Welche Rolle spielen dabei die lokalen Modulationen der Hormone?

Die Schilddrüse produziert die Thyroid-Hormone (TH) T3 und T4 und das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH. Sie zeigen, ob das Organ richtig arbeitet oder eine Über- oder Unterfunktion vorliegt. Diese hormonelle Balance kann jedoch auch bei normalen Blutwerten gestört sein. Denn wie stark die Schilddrüsenhormone in ihren Zielgeweben wirken, hängt auch von der Funktion der dortigen Hormontransporter, der für die Verstoffwechselung verantwortlichen Deiodinasen und Hormonrezeptoren, ab.

Gehirn, Herz und Leber prüfen

Wie genau die Wirkung der Schilddrüsenhormone in den Zielgeweben vermittelt und moduliert wird, erforscht seit rund eineinhalb Jahren der Sonderforschungsbereich (SFB)/Transregio 296 „Lokale Kontrolle der TH-Wirkung“ (LocoTact).

Über 80 Kliniker und Grundlagenforscher mehrerer deutscher Universitäten und Forschungsinstitute arbeiten in diesem Forschungsverbund zusammen. „Im Rahmen von LocoTact konzentrieren wir uns auf drei wichtige Zielorgane von TH: Gehirn, Herz und Leber“, sagte Prof. Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen und Sprecherin des SFB/Transregio 296.

Rezeptoren, Transporter und Enzyme

Doch bevor das TH in die Zellen dieser Organe kommt, wird es durch spezielle Transportproteine in der Zellmembran reguliert. „Zwei dieser Transporter sind essenziell dafür, dass TH in Muskel- und Gehirnzellen gelangt und dort wirken kann“, erklärte Führer. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Fehlen oder die mangelnde Funktion dieser TH-Transporter die Gehirnreifung und -entwicklung – sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen – beeinträchtigt.

So geht etwa das seltene Allan-Herndon-Dudley-Syndrom (AHDS), eine schwere erbliche Entwicklungsstörung, auf Mutationen in dem TH-Transportergen MCT8 zurück. Nicht zuletzt wird die Hormonwirkung auch durch Enzyme, sogenannte Deiodinasen, beeinflusst, die Schilddrüsenhormone sowohl aktivieren als auch deaktivieren können.

Neue Ansätze zu Prävention und Therapie

In weiteren Studien sollen nun verschiedene Möglichkeiten ausgelotet werden, die lokale TH-Kontrolle auf all diesen Ebenen nicht nur zu verstehen, sondern auch konkret zu modulieren. „Wir hoffen, dadurch langfristig neue Therapieansätze für seltene Erkrankungen, aber auch Volkskrankheiten wie die nicht-alkoholische Fettleber, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erreichen“, so die SFB-Sprecherin Dagmar Führer.

„Ein besseres Verständnis der Wirkweise so wichtiger Hormone wie TH in den Zielzellen kann uns dabei helfen, neue Therapien für Erkrankungen zu entwickeln, für die bislang keine am Ursprung der Erkrankung ansetzende Behandlung zur Verfügung steht“, sagte DGE-Pressesprecher Prof. Dr. med. Stephan Petersenn aus Hamburg. Dagmar Führer ergänzte: „Dieser Ansatz steht für eine neue Ära der Endokrinologie, in der die lokale Modulation der Hormonwirkung im Fokus steht und organspezifisch zur Prävention und Therapie eingesetzt werden kann“.

Quellen:
Pressekonferenz im Vorfeld des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) vom 16. bis 19. März 2022
Projekt LocoTact

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