Trichophyton interdigitale: „Lifestyle-Pilz“ dank Genitalrasur und Spa

Autor: Dr. Judith Lorenz

Ein scharf begrenztes Erythem an der Nasenspitze: Am Anfang der Behandlung stand die Verdachtsdiagnose Erysipel. © Efe D. Wehrmedizinische Monatsschrift 2018; 62: 405-406 © Beta Verlag & Marketinggesellschaft mbH, Bonn

Der Schlauchpilz ­Trichophyton interdigitale befällt bevorzugt den Genitalbereich. Er kann sich jedoch auch am Gesicht manifestieren.

Trichophyton interdigitale ist nach Trichophyton rubrum der häufigste Erreger von Dermatomykosen in Europa, berichtet Dr. Demet Efe, Stabsarzt am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Der Dermatophyt lebt in der verhornten Haut, in Haaren und Nägeln und verursacht typischerweise im Genitalbereich schmerzhafte, knotige oder plaqueförmige Infiltrate mit follikulären Pusteln. Allerdings beobachten Dermatologen auch immer wieder Erkrankungen an ungewöhnlichen Körperstellen.

In der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin wurde ein Soldat mit einer tiefen Trichophytie der Nasenspitze und des Philtrums vorstellig. Ein möglicher Übertragungsweg sind die Sexualpartner. Durch die Genitalrasur kann eine Verschleppung erfolgen. Auch wer gern ins Fitnessstudio oder ins Spa geht, läuft Gefahr, den Hautpilz mit nach Hause zu nehmen: Der Erreger kommt dort gehäuft auf Fußböden und Matten vor.

Der Nachweis erfolgt mittels mikroskopischer Nativdiagnostik von Haarwurzelpräparaten, mykologischer Kultur, Histologie und PCR-Analyse. Differenzialdiagnostisch sind bakterielle und virale Infektionen sowie Arthropodenreaktionen zu bedenken. Die Therapie erfolgt durch eine Kombination aus topischen und systemischen Antimykotika. Bei ausgeprägtem Befall sind ferner systemische Kortikosteroide angezeigt. Tr. interdigitale entwickelt sich zunehmend zu einem „Lifestyle-Pilz“, schließt Dr. Efe. Der Hautbefall verläuft nicht immer harmlos: Um tiefe, irreversible Narben zu verhindern, ist die rechtzeitige systemische Behandlung entscheidend.

Quelle Text und Abb.: Efe D. Wehrmedizinische Monatsschrift 2018; 62: 405-406 © Beta Verlag & Marketinggesellschaft mbH, Bonn