Tuberkulose: Inzidenz weiterhin auf hohem Niveau

Autor: Kathrin Strobel

Letztes Jahr gab es in Deutschland 3892 Fälle von Lungen-Tbc. © wikimedia/Yale Rosen

Trotz rückläufiger Fallzahlen ist die Tuberkulose in Deutschland nach wie vor ein Problem. Das zeigt ein aktueller Bericht des Robert Koch-Instituts zur Epidemiologie der Tbc im Jahr 2017.

Die Gesamtzahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen lag 2017 bei 5486. Das sind 463 Fälle weniger als im Vorjahr. Die Zahlen sind allerdings noch immer vergleichsweise hoch, heißt es im Bericht des RKI. Männer erkrankten mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Die Altersgruppe mit der höchsten Tuberkulose-Inzidenz bildeten die jungen Erwachsenen, d.h. die 20- bis 24-Jährigen.

Ausländische Staatsangehörige erkrankten rund 18-mal häufiger als deutsche. Nur knapp jeder dritte Betroffene hatte die deutsche Staatsbürgerschaft und nur etwa jeder vierte war in Deutschland geboren. In dieser Gruppe fanden sich in der Mehrzahl ältere Personen, die sich während des Krieges oder in den Jahren danach infiziert und erst im Alter eine aktive Tuberkulose entwickelt hatten.

Etwas mehr Kinder an Tuberkulose erkrankt

Die meisten nicht in Deutschland geborenen Erkrankten stammten aus Eritrea oder Somalia. Bei nicht deutschen Staatsangehörigen lag der Altersmedian zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei 27 im Vergleich zu 60 Jahren bei den Deutschen.

Die Zahl der neu erkrankten Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren war im Vergleich zum Vorjahr mit 238 versus 228 etwas höher. Besonders gefährdet waren wiederum Kinder mit ausländischem Pass. Trotz der nur geringen Zunahme sollte man dieser Entwicklung besondere Aufmerksamkeit schenken, fordern die RKI-Experten.

Am häufigsten betraf die Tuberkulose mit 3892 Fällen die Lunge, wobei die offene, infektiöse Form bei 3133 Patienten beobachtet wurde. Die mikroskopisch positive Form der Lungen-Tbc lag bei 43,4 % der Erkrankten vor. Sie gilt als besonders infektiös. Weiterhin sind Resis-tenzen ein Problem. Auch in diesem Punkt scheint das Geburtsland relevant: Der Anteil resistenter und multiresistenter Tuberkulosen war unter den in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geborenen Patienten am höchsten.

102 Menschen starben im letzten Jahr an ihrer Tbc. Das entspricht einer Letalität von 1,9 %. Von den im Jahr 2016 ermittelten Erkrankten konnten 80,9 % erfolgreich behandelt werden. Bei knapp 10 % scheiterte dagegen die Therapie. Für die übrigen Patienten lagen keine entsprechenden Daten vor.

Um die Tbc in Deutschland in den Griff zu bekommen, sind Screening, Kontrolle und Überwachung von Betroffenen und deren direktem Umfeld besonders wichtig, betonten die Berichtsautoren. Erkrankte Personen sollten frühzeitig und vollständig behandelt werden. Hierfür müssten die beteiligten Akteure eng zusammen-arbeiten.

Quelle: Robert Koch-Institut 2018: Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2017