Typ-1-Diabetes: Strenge Blutzuckereinstellung senkt Demenzrisiko

Autor: Dr. Judith Lorenz

Schutz vor Demenz bietet ein dauerhaft niedriges HbA1c. © iStock.com/wildpixel

Menschen mit Typ-1-Diabetes, deren Blutzucker über einen langen Zeitraum unzureichend eingestellt ist, erkranken häufiger an Demenz. Eine optimale glykämische Kontrolle wirkt dagegen protektiv.

In Anbetracht der gesteigerten Lebenserwartung von Menschen mit Typ-1-Diabetes stellt sich die Frage, inwiefern die glykämische Kontrolle die kognitive Leistung beeinflusst. Dr. Mary E. Lacy Leigh von der University of California in San Francisco hat zusammen mit Kollegen die Behandlungsdaten von 3433 Typ-1-Diabetespatienten im Alter über 50 Jahre analysiert.

Studienendpunkt war die Inzidenz von Demenzerkrankungen (Morbus Alzheimer, vaskuläre Demenz, unspezifische Demenz) während des Studienzeitraums. Die Forscher prüften, inwiefern die kumulative glykämische Exposition – bei Berücksichtigung des Alters, des Geschlechts, der ethnischen Abstammung, des Gesundheitszustands sowie der Häufigkeit der HbA1c-Messungen – das Erkrankungsrisiko beeinflusste.

Zusammenhang mit positiver Schlaganfallanamnese?

Während des Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 6,3 Jahren erfolgten im Mittel 13,5 HbA1c-Bestimmungen pro Person. 155 Patienten (4,5 %) erkrankten im Verlauf an einer Demenz. Ihr Durchschnittsalter bei der Diagnose betrug 64,6 Jahre. Dabei waren die Demenzkranken bei Studieneintritt meist älter als die nicht Erkrankten (64,4 vs. 55,7 Jahre) und hatten häufiger eine Schlaganfallanamnese (7,7 vs. 3,5 %).

Ein um knapp 80 % gesteigertes Demenzrisiko

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Demenzrisiko von der Qualität der langfristigen Blutzuckereinstellung abhing: Diejenigen Patienten, bei welchen mindestens die Hälfte der HbA1c-Werte zwischen 8 und 8,9 bzw. ≥ 9 % lagen, hatten im Vergleich zu Patienten mit weniger als 50 % der HbA1c-Werte in diesem Bereich ein um 65 bzw. 79 % höheres Demenzrisiko.

Dauerhaft niedrige HbA1c-Werte (6–6,9 bzw. 7–7,9 %) erwiesen sich dagegen als demenzprotektiv. Das Risiko lag um etwa 60 % niedriger im Vergleich zu den Patienten mit dauerhaft schlechter glykämischer Kontrolle. Die Subgruppenanalyse der Altersgruppe ≥ 65 Jahre bestätigte im Wesentlichen die Ergebnisse der Hauptanalyse. Einzige Ausnahme: Bei einer extrem schlechten Blutzuckereinstellung (HbA1c mehrheitlich ≥ 9 %) ließ sich in diesem Kollektiv kein signifikant erhöhtes Demenzrisiko nachweisen.

Gibt es auch ein zu tief?

Patienten mit einer überdurchschnittlich guten glykämischen Kontrolle (HbA1c mehrheitlich < 6 %) wiesen in der bezüglich des Alters adjustierten Analyse ein etwa doppelt so hohes Demenzrisiko auf. Bei Berücksichtigung sämtlicher potenzieller Confounder war eine statistische Signifikanz diesbezüglich jedoch nicht mehr gegeben. Die Studienautoren raten diese potenzielle Assoziation in weiteren Studien genauer zu untersuchen.

Im Alter nicht zu lasch mit dem HbA1c-Wert werden

Menschen mit Typ-1-Diabetes scheinen hinsichtlich der langfristigen kognitiven Leistungsfähigkeit von einer strengen Blutzuckerkontrolle zu profitieren, schlussfolgern die Studienautoren. Die beste Schutzwirkung gegenüber Demenzerkrankungen besteht dabei offenbar bei HbA1c-Werten zwischen 6 und 7,9 %.

Quelle: Lacy ME et al. Diabetes Care 2018; doi.org/10.2337/dc18-0073