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Typ-2-Diabetes: Kartoffeln dürfen auf den Speiseplan

Autor: Dr. Andrea Wülker

Die Kartoffel enthält einiges an Vitamin C, Ballaststoffen und Kalium, hat aber wegen ihres hohen Kohlenhydratgehalts ein eher schlechtes Image. Die Kartoffel enthält einiges an Vitamin C, Ballaststoffen und Kalium, hat aber wegen ihres hohen Kohlenhydratgehalts ein eher schlechtes Image. © iStock/AnnaPustynnikova
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Die Kartoffel ist aus deutschen Speiseplänen kaum wegzudenken. Auch Menschen mit Diabetes müssen auf die Knolle nicht verzichten, sagen Forscher.

Kartoffeln gelten als Lebensmittel mit hohem glykämischem Index (GI). In Leitlinien wird Menschen mit Diabetes in der Regel geraten, Nahrungsmittel mit niedrigem GI zu bevorzugen, z.B. Vollkornbrot oder Basmati-Reis. Eine australische Studie schlägt nun eine Bresche für die Kartoffel.

Erdäpfel haben eine relativ geringe Energiedichte

Die Knolle enthält einiges an Vitamin C, Ballaststoffen und Kalium, hat aber wegen ihres hohen Kohlenhydratgehalts ein eher schlechtes Image. Trotz ihrer relativ geringen Energiedichte werden Kartoffeln als Lebensmittel mit hohem glykämischem Index klassifiziert, was sie für Menschen mit Diabetes eher unattraktiv macht.

Aber ist der schlechte Ruf des Erdapfels berechtigt? Der GI von Lebensmitteln wird bestimmt, indem Stoffwechselgesunde das entsprechende Nahrungsmittel isoliert essen und dann dessen Effekt auf den Blutzucker beobachtet wird. Doch den GI einzelner Lebensmittel zu betrachten, ist zu kurz gefasst, schreiben Dr. Brooke Devlin von der Australian Catholic University, Melbourne, Australien, und ihre Kollegen. Denn in der Realität essen wir bei einer Mahlzeit nicht nur Kohlenhydratreiches wie Reis oder Kartoffeln, sondern kombinieren diese mit anderen Lebensmitteln, die wiederum anders zusammengesetzt sind. Darüber hinaus kann auch die Zubereitungsart den glykämischen Index eines Lebensmittels beeinflussen.

Um herauszufinden, wie sich Kartoffeln auf die glykämische Kontrolle von Patienten mit Typ-2-Diabetes auswirken, führten die australischen Kollegen eine Cross-over-Studie mit 24 Diabetikern durch. Diese erhielten alle ein standardisiertes Frühstück und Mittagessen, aber ihr Abendessen unterschied sich: Es enthielt als kohlenhydratreiche Komponente entweder frisch gekochte, gebratene, oder gekochte und nach 24 h wieder aufgewärmte Kartoffeln (dieses Verfahren erhöht den Anteil an resistenter Stärke). Die Kontrollgruppe aß Reis. Der Energiegehalt der verschiedenen Mahlzeiten war gleich.

Im Vergleich zu dem Reisgericht schnitten die verschiedenen Kartoffelmahlzeiten im Hinblick auf den postprandialen Blutzuckeranstieg bzw. die nächtliche glykämische Kontrolle nicht schlechter ab. Die Blutzuckerspiegel in der Nacht waren nach Abendmahlzeiten mit der schmackhaften Knolle sogar niedriger als nach der Reismahlzeit. Kartoffeln eignen sich für Menschen mit Diabetes demnach, wenn sie Teil eines ausgewogenen Abendes- sens sind, schließen die Autoren.

Quelle: Devlin BL et al. Clinical Nutrition 2020; DOI: 10.1016/j.clnu.2020.09.049

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