Veganismus: Ins Gras beißen heißt länger leben

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Obst und Gemüse schön und gut, aber jeder zweite Veganer hat einen B12-Mangel. © iStock.com/Peppersmint

Über Veganer kursieren einige (Vor-)Urteile. Sind sie mangelernährt oder automatisch gesund? Im Prinzip trifft beides zu.

Veganer tendieren eher dazu, allgemeine Ernährungsempfehlungen wie den Griff zu Obst und Gemüse zu befolgen. Genauso gut steht es um die Versorgung mit Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Und um die meisten Mikronährstoffe scheint es auch nicht schlecht bestellt.

Nach Datenlage haben sie ein geringeres Risiko für verschiedene Krankheiten wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Adipositas oder kardiovaskuläre Leiden. Letzteres wurde sogar metaanalytisch bestätigt: Die Sterberaten von Veganern an ischämischer Herzkrankheit liegen um 26 % niedriger als bei Fleischliebhabern, erklärte Professor Dr. Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung in Biebertal/Gießen. Entsprechend kann die Ernährungsform therapeutische Vorteile im Kampf gegen Übergewicht, rheumatoider Arthritis, Dyslipoproteinämien oder Hypertonie bringen.

Trotzdem bleibt die ausreichende Zufuhr einzelner Nährstoffe in der veganen Kost ein Thema. Besonders Vitamin B12 kommt dabei immer wieder aufs Tablett. Je nach Studie weisen bis zu 73 % der Veganer einen Mangel auf, in Deutschland sind es etwa 52 %.

USA: für Schwangere als unbedenklich eingestuft

Experten appellieren daher schon länger, das Vitamin zu supplementieren. „Langsam scheint die Botschaft anzukommen“, sagte Prof. Keller. Auch beim Kalzium lassen sich häufig Defizite verzeichnen. Untersuchungen zur Knochengesundheit fanden allerdings keine Unterschiede zu Mischköstlern.

Für Schwangere, Stillende und Kinder empfiehlt die DGE* die vegane Ernährungsform weiterhin nicht. Anders in Nordamerika. Richtig durchgeführt, ordnen US-amerikanische Forscher die Kost auch für diese Gruppe als unbedenklich ein. Erste Ergebnisse einer deutschen Studie an Kleinkindern deuten ebenfalls positive Effekte an.

*Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Quelle: Ernährung 2018