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Virtuelle Verhaltenstherapie als Alternative bei Depressionen

Autor: Michael Brendler

Die virtuelle Verhaltenstherapie steht der Face-to-Face-Variante in nichts nach. Die virtuelle Verhaltenstherapie steht der Face-to-Face-Variante in nichts nach. © iStock/andresr
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Virtuelle Psychotherapien erleben gerade einen wahren Boom. Tatsächlich scheinen sie der klassischen Face-to-Face-Variante kaum nachzustehen, glaubt man den Ergebnissen einer aktuellen Metaanalyse.

Eine moderate bis schwere depressive Symptomatik gehen Ärzte in aller Regel medikamentös an – obwohl mittlerweile genügend Studien zeigen, dass dieses Vorgehen nur bei etwa jedem dritten Patienten die Beschwerden ausreichend lindert. Als weitere Option hat sich die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) in Akutphasen der Major Depression als ebenso effektiv wie die Einnahme von Psychopharmaka erwiesen. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel oder terminlicher Hindernisse ist diese jedoch nicht flächendeckend verfügbar­.

Abhilfe schaffen könnten virtuelle Angebote – wobei bislang unklar ist, ob eine „elektronische“ Psychotherapie via Webanwendung per Computer oder Smartphone-App mit der klassischen Face-to-Face-Variante mithalten kann. Diese Wissenslücke schließen wollten Candice­ Luo­ von der Michael G. DeGroote School of Medicine im kanadischen Hamilton und Kollegen. Für ihre Metaanalyse zogen sie Daten aus insgesamt 17 Studien zum Thema heran und kamen zu dem Schluss: Eine virtuelle KVT lindert die Symptome einer Depression „mindestens so effektiv“ wie die kognitive Verhaltenstherapie im traditionellen Setting.

Die „Standard Mean Difference“, jenes statistische Maß, mit dem die Forscher die Effektivität beider Methoden verglichen hatten, fiel in puncto Schwere der Symptome mit -1,73 sogar zugunsten der elektronischen KVT aus. Ab einem Wert von 0,8 (bzw. -0,8) sprechen Forscher von einem „großen“ Unterschied. In Hinblick auf die Zufriedenheit der Betroffenen und ihre Lebensqualität gab es keinen Unterschiede zwischen den Verfahren. Die Online-Sitzungen waren jedoch kostengünstiger.

Candice Luo und ihr Team schränken das Ergebnis allerdings direkt ein, da die Qualität der einzelnen Studien zu heterogen für eine hochevidente Aussage sei. Trotzdem könne eine virtuelle kognitive Verhaltenstherapie erwogen werden, wenn Patienten und Therapeut dies wünschen.

Quelle: Luo C et al. EClinicalMedicine 2020; DOI: 10.1016/j.eclinm.2020.100442

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