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Spontane Koronardissektion Weites Prognosespektrum

Autor: Dr. Melanie Söchtig

Der typische SCAD-Patient ist weiblich, etwa 50 Jahre alt und weist wenige kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. Der typische SCAD-Patient ist weiblich, etwa 50 Jahre alt und weist wenige kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. © iStock/mi-viri
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Spontane Koronardissektionen werden zunehmen als Auslöser von Myokardinfarkten identifiziert. Die langfristige Prognose ist auch bei konservativer Therapie oft gut. Dennoch lassen sich dramatische Verläufe nicht ausschließen.

Während die spontane Koronararteriendissektion (SCAD) früher als seltene Ursache für einen Herzinfarkt galt, wird die Diagnose seit einigen Jahren immer häufiger gestellt – vor allem bei Frauen mit ansonsten unauffälligen Arterien. Obwohl auch junge Patienten mit langer Lebenserwartung betroffen sein können, weiß man bislang nur wenig über den Langzeitverlauf. Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag in vorangegangenen Studien bei maximal 4,7 Jahren.

Steckbrief SCAD

  • Der typische Patient ist eine etwa 50-jährige Frau mit wenigen kardiovaskulären Risikofaktoren, die einen Myokardinfarkt erleidet.
  • Die Mehrzahl der SCAD lässt sich medikamentös behandeln.
  • Die Rate früher MACE liegt bei 4,8 %.
  • Zu Rezidiven kommt es in 7,6 % der Fälle.

Zumeist Frauen von Myokardinfarkten betroffen

Forschende aus der Schweiz haben jetzt in einer Kohortenstudie SCAD-Patienten über bis zu 22,5 Jahre nachbeobachtet. Im Zeitraum zwischen Juni 1998 und Dezember 2020 verzeichneten sie insgesamt 105 Myokardinfarkte aufgrund einer spontanen Koronararteriendissektion. Die meisten davon betrafen Frauen (n = 98). Eine angrenzende Dissektion wurde bei 102 Betroffenen festgestellt. Mehrheitlich hatte man die Patienten (n = 97) initial konservativ behandelt: 90 % erhielten eine duale Thrombozytenaggregationshemmung über zwölf Monate und 91 % Statine. Bei sieben Patienten entschied man sich für eine perkutane Koronarintervention (PCI) und ein Patient unterzog sich einer Bypass-Operation.  Die Angiographie, die bei 73 asymptomatischen Patienten median sechs Monate nach dem Ereignis durchgeführt wurde, zeigte bei 65 Patienten eine Heilung der Dissektion und bei fünf Personen ein gutes Ergebnis nach der PCI. Drei Patienten hatten eine persistierende Dissektion. Bei ihnen wurde die konservative Behandlung fortgesetzt.  Innerhalb der folgenden medianen 7,5 Jahre verzeichneten die Schweizer in der Kohorte 15 schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE; definiert als Tod jeglicher Ursache, nicht-tödlicher Herzinfarkt und nicht-tödlicher Herzstillstand). Fünf MACE traten innerhalb von 30 Tagen nach dem Indexereignis auf. In zehn Fällen kam es zu späten Events (Median: 7,6 Jahre), darunter Myokardinfarkte und rezidivierende SCAD an einer anderen Stelle.

Quelle: Seidl S et al. Swiss Med Wkly 2021; 151: w30067; DOI: 10.4414/smw.2021.w30067

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