Welche Berufsgruppen besonders gefährdet für Diabeteserkrankungen sind

Autor: diabeteszeitung

Ungleiches Risko: Einige Berufe begünstigen einen Diabetes mellitus. Insbesondere Berufskraftfahrer zeigten eine erhöhte Prävalenz. Ungleiches Risko: Einige Berufe begünstigen einen Diabetes mellitus. Insbesondere Berufskraftfahrer zeigten eine erhöhte Prävalenz. © iStock/photovs

Menschen mit bestimmten Berufen bergen ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken als andere, zeigt eine Studie. Besonders gefährdet ist offenbar, wer in Schichten arbeitet oder kaum Möglichkeiten hat, sich ausgewogen zu ernähren.

Eine schwedische Studie1 untersuchte erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Berufsbildern und Diabeteserkrankungen. Männer und Frauen aus den Bereichen Berufskraftfahrt, Fabrikarbeit und Reinigungstätigkeit haben demnach das höchste Risiko für einen Dia­betes mellitus Typ 2. Am wenigsten sind Informatiker betroffen. Mithilfe dieser Erkenntnisse können Risikogruppen rechtzeitig identifiziert und gezielte berufsmedizinische Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden, um dem Diabetes samt Neben- und Folgeerkrankungen entgegenzuwirken. Dies begrüßt die DDG.

Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Diabetes erhalten

In Deutschland sind derzeit über zwei Millionen Menschen mit Dia­betes erwerbstätig. In wenigen Jahren werden bis zu drei Millionen Betroffene in verschiedenen Berufsfeldern beschäftigt sein. Die meisten von ihnen haben einen Diabetes Typ 2. „Es ist deshalb betriebs- und volkswirtschaftlich unumgänglich, bei möglichst vielen Menschen mit Diabetes die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder sie wieder in die betrieblichen Abläufe einzugliedern“, betont Dr. Wolfgang Wagener von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland und Vorsitzender des DDG Ausschusses Soziales. „Die Autoren der Studie zeigen uns, in welchem beruflichen Umfeld wir Risikogruppen suchen müssen.“

Berufskraftfahrer besonders gefährdet, Informatiker kaum

Der Kohorten-Studie lagen die Daten von rund 4,5 Millionen Schweden zugrunde, die aus dem nationalen Patientenregister stammen. Miteinbezogen wurden alle zwischen 1937 und 1979 geborenen Einwohner, die in den Jahren von 2001 bis 2013 berufstätig waren und zwischen 2006 und 2015 eine Diabetesdiagnose erhalten haben. Ziel war es, Berufe mit einem erhöhten Diabetesrisiko zu ermitteln. Das Ergebnis: 4,2 % aller Schweden hatten 2013 einen Dia­betes mellitus. Männer waren häufiger als Frauen erkrankt, da­runter insbesondere Berufskraftfahrer und Fabrikarbeiter: Über 7 % hatten einen Typ-2-Diabetes. Bei Informatikern lagen mit 2,5 % die wenigsten Erkrankungen vor.

Überdurchschnittlich viele stoffwechselerkrankte Frauen arbeiteten als Fabrikarbeiterinnen, Reinigungskräfte und Küchenassistentinnen. Im mittleren und gehobeneren Management tätige Frauen wiesen mit 1,2 % die geringste Erkrankungsrate auf. Weiterhin zeigt die Untersuchung, dass das Diabetesrisiko mit dem Alter ansteigt.

„Bekannt war bisher, dass es einen sozioökonomischen Zusammenhang gibt: Menschen mit einem geringen Bildungsniveau, schlechter Bezahlung und einem einfachen Beruf haben ein um 30 bis 40 % erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes“, erläutert DDG Experte Dr. Kurt Rinnert, leitender Betriebsarzt bei der Stadt Köln. Die aktuelle Studie rückt nun erstmals konkrete Berufsbilder in den Fokus und sensibilisiert Betriebsärzte für unmittelbare Maßnahmen an den Arbeitsplätzen.

Zu den Risikofaktoren für Typ-2-Dia­betes gehören bekanntlich Übergewicht, Mangel an Bewegung, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. „Berufskraftfahrer sind durch die mangelnde Bewegung und das häufig einseitige, ungesunde Essen offensichtlich besonders gefährdet, zu erkranken. Auch Schichtarbeit ist ein Risikofaktor“, erklärt Dr. Rinnert. Die DDG fordert anlässlich der Studie, mehr Diabetes-Präventions-Programme bei Arbeitgebern zu implementieren. „Um Betroffenen mehr Lebensqualität, aber auch ein langes Berufsleben zu ermöglichen, muss die Arbeitsmedizin die Vermeidung von Neben- und Folge­erkrankungen, die zu frühzeitiger Berentung führen könnten, deutlicher in den Fokus nehmen“, so DDG Präsidentin Professor Dr. Monika ­Kellerer.

Quellen:
1. Carlsson S et al. Diabetologia 2020; 63: 95-103; DOI: 10.1007/s00125-019-04997-5
2. Pressemitteilung der DDG