Arzneimittelbedingte Schlafstörungen Wenn Medikamente den Schlaf kosten

Autor: Birgit Maronde

Bei Schlafstörungen lohnt es sich, den Medikamentenplan der betroffenen Patientinnen und Patienten genauer anzuschauen. Bei Schlafstörungen lohnt es sich, den Medikamentenplan der betroffenen Patientinnen und Patienten genauer anzuschauen. © Ralf Geithe - stock.adobe.com

Bei Schlafstörungen lohnt es sich, den Medikamentenplan der betroffenen Patientinnen und Patienten genauer anzuschauen. Mitunter ist der Auslöser von Insomnie, seltsamen Träumen oder vermehrter Tagesmüdigkeit dort zu finden. Manche Substanzen können dagegen den Schlaf verbessern. 

In der Hausarztpraxis berichten mindestens 50 % der Patientinnen und Patienten über Schlafstörungen. Deutlich mehr Menschen erhalten zumindest ein Medikament, über 20 % nehmen täglich mindestens fünf Arzneimittel ein. Nach Auffassung einer Arbeitsgruppe der Mayo Clinic Rochester um Dr. Luke Klugherz ist es deshalb sinnvoll, sich über den Einfluss von Pharmaka auf den Schlaf Gedanken zu machen. Wie es mit besonders häufig verordneten Medikamenten aussieht, haben die Forschenden im Rahmen eines Literaturreviews untersucht. 

Nach ihren Ergebnissen sind zwei Substanzgruppen potenziell mit Schlafstörungen assoziiert: Betablocker und PDE-5-Inhibitoren. Für die Antihypertensiva ergab eine Metaanalyse von 285 Studien, dass sie wahrscheinlich Fatigue und Somnolenz fördern und möglicherweise die Häufigkeit von Insomnie, „ungewöhnlichen“ Träumen und Schlafstörungen erhöhen. 

Einfluss auf obstruktive Schlafapnoe ist möglich

Einer anderen Studie zufolge waren Betablocker mit relativ hoher Fettlöslichkeit (Propranolol, Metoprolol) sowie solche mit Serotoninrezeptoraffinität (Pindolol) eher mit Albträumen assoziiert als Betablocker ohne diese Eigenschaften.

Unter Phosphodiesterase-5-Hemmern wie Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil sind schlafbezogene Nebenwirkungen recht selten. In einer kleinen Studie mit 13 Männern, die unter einer schweren obstruktiven Schlafapnoe (OSA) litten und einmalig 50 mg Sildenafil erhielten, wurde allerdings ein negativer Effekt auf Sauerstoffsättigung und Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) beschrieben. Keinen Einfluss auf die OSA zeigte eine Untersuchung, in der 61 Männer mit (mittel-)schwerer Atemstörung Vardenafil oder Placebo jeweils mit oder ohne CPAP*-Beatmung bekamen. Weder mittels Epworth Sleepiness Scale noch einem weiteren Schlaffragebogen ließ sich ein Zusammenhang zwischen der Therapie mit dem PDE-5-Hemmer und OSA-bedingten Störungen aufzeigen. 

Bei Menschen mit schwerer Schlafapnoe sollte man sich die Verordnung von Sildenafil gut überlegen, lautet das Fazit des Autorenteams. Zudem sei es sinnvoll, bei Männern mit erektiler Dysfunktion nach einer OSA zu suchen, sie ggf. zu behandeln bzw. ihre Therapie zu optimieren, bevor man mit einem PDE-5-Hemmer startet. 

Dank PPI besser schlafen

Menschen mit gastroösophagealem Reflux quälen sich vor allem nachts mit ihren Symptomen. Behandelt man sie mit Protonenpumpeninhibitoren, vermindern sich laut Studien Wachzeit und Schlaflatenz erheblich, die Schlafqualität insgesamt nimmt zu.  

Weder positiv noch negativ

Kaum Einfluss auf den Schlaf haben:

  • ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor­blocker, Kalziumkanalblocker
  • Statine
  • Levothyroxin
  • Metformin

Antidepressiva sorgen für schlaflose Nächte

Eine positive Wirkung auf die OSA haben offenbar Diuretika. Vor allem Spironolacton kann laut einer Metaanalyse im Vergleich zu Placebo den AHI reduzieren und die nächtliche Sauerstoffsättigung verbessern. Andere Schlafparameter wie Gesamt- und REM-Schlaf-Zeit blieben von Diuretika wie auch von anderen Antihypertensiva unbeeinflusst. Aber: Diuretika führen häufig zu einer Nykturie mit entsprechenden Schlafunterbrechungen, von der sich einer von sieben Behandelten erheblich gestört fühlt. 

Ein zweischneidiges Schwert sind auch Antidepressiva. Je nach Wirkstoff können sie sedierend wirken oder eine Insomnie verursachen. Fluvoxamin hat im Vergleich zu Placebo das größte sedierende Potenzial (Odds Ratio, OR, 6,3). Es folgen Trazodon (OR 4,6) und Mirtazapin (OR 4,5). Für das Ausmaß der Sedation spielt die Dosis des Medikaments eine wichtige Rolle, heißt es im Review. Die Wahrscheinlichkeit, eine Insomnie zu verursachen, ist unter Vilazodon am größten (OR 3,0). Für Desvenlafaxin beträgt die OR 2,1, für Duloxetin 2,0. Die Odds Ratios für Bupropion, Venlafaxin, Sertralin, Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Escitalopram liegen zwischen 1,8 und 1,4. 

Von Mirtazapin und Venlafaxin weiß man, dass sie ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) und periodische Bewegungsstörungen der Beine fördern. In einer Studie entwickelte jede:r Vierte von knapp 200 Patientinnen und Patienten unter SSRI und SNRI solche schlafassoziierten Erkrankungen. In einer anderen Arbeit verschlechterte sich ein RLS unter Mirtazapin bei rund 28 % der Behandelten.

*continuous positive airways pressure

Quelle: Klugherz LJ et al. Mayo Clin Proc 2025; 100: 856-867; doi: 10.1016/j.mayocp.2025.02.005