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Adhärenz Wie man Patienten zum Tablettenschlucken bringt

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Es gibt einige Stellschrauben, an denen Ärzte drehen können, um ihre Patienten zur Therapietreue zu ermuntern. Es gibt einige Stellschrauben, an denen Ärzte drehen können, um ihre Patienten zur Therapietreue zu ermuntern. © iStock/AlexRaths
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Die beste Pille kann nicht helfen, wenn der Patient sie nicht schluckt. Aber was dagegen tun?

Viele Patienten, allen voran chronisch Kranke, halten sich nicht an ihre Therapievorgaben. Hilft geduldiges Erinnern? Oder soll man die Kranken womöglich für die Einnahme der Medikamente bezahlen? 

Ein Team von Kardiologen hat 61 Studien zur Non-Adhärenz bei kardiovaskulären Krankheiten ausgewertet. Als Ergebnis beschreiben die Wissenschaftler in einem Übersichtsartikel einige Maßnahmen, mit denen sich die Therapietreue von Herz-Kreislauf-Patienten verbessern lässt.

Gezielt informieren und aufklären

Ein Kranker muss nachvollziehen können, wie ihm die verordneten Arzneimittel helfen. Flyer oder standardisierte Schreiben bringen dabei anscheinend wenig, auch nicht in Kombination mit Telefonanrufen. Frühere und häufigere Besuche beim Kardiologen nach der Klinikentlassung, Aufklärung durch eine Fachpflegekraft oder über spezielle Internetseiten versprechen mehr Erfolg, unterstützt durch Textnachrichten oder Anrufe auf dem Mobiltelefon.

Regelmäßig an die Einnahme erinnern

Das hilft besonders dann, wenn Kranke ihre Medikamente tatsächlich vergessen – vielleicht, weil sie den Überblick über die vielen Pillen verloren haben. Medikamentenboxen sind ein einfaches Hilfsmittel, eventuell ausgestattet mit einer Alarmfunktion. Auch Textnachrichten auf das Mobiltelefon oder Apps können an die Einnahme erinnern – vorausgesetzt, der Patient kann und will die entsprechenden Geräte benutzen­.

Techniken aus der Verhaltenstherapie einsetzten

Eine motivierende Gesprächsführung und die positive Verstärkungen zeigen Studien zufolge gute Erfolge. Wichtig ist, Angehörige oder Freunde einzubinden, die den Kranken unterstützen.

Kosten reduzieren, finanzielle Anreize setzen

Im Falle hoher Eigenbeteiligung kann sich manch ein Kranker seine Medikamente möglicherweise einfach nicht leisten. Preisbewusste Verordnungen, die Kostenübernahme durch Dritte oder gar ein finanzieller Ansporn für die Tabletteneinnahme können die Adhärenz fördern. Dabei ist der Nutzen beschränkt, wenn sich der Anreiz nur an die Patienten richtet. Erhält der behandelnde Arzt zudem eine Vergütung für die erfolgreiche Therapie, fallen die Ergebnisse gegebenenfalls besser aus.

Interdisziplinär zusammenarbeiten und kommunizieren

Die Mitarbeit von Apothekern oder Pflegediensten kann sich positiv auf die Therapietreue auswirken.

Feste Medikamentenkombinationen bevorzugen

Zur Blutdruck- und Cholesterinsenkung lassen sich Fixkombinationen einsetzen, mit positiven Effekten auf die Adhärenz. Diese einfache Maßnahme verur­sacht keine wesentlichen Zusatzkosten. Von Nachteil ist, dass sich die einzelnen Substanzen nicht unabhängig voneinander dosieren lassen.

Welche Strategie bei wem wirkt, lässt sich schwer voraussagen. Generell verspricht die Kombination mehrerer Maßnahmen aber mehr Erfolg als eine alleine. Und auch wenn die Studien eine bessere Adhärenz der Patienten belegen – im Behandlungsergebnis muss sich das noch lange nicht niederschlagen, schreiben die Autoren. Künftige Studien zum Thema sollten daher einheitliche und objektive Methoden zur Messung der Therapietreue verwenden. Allein die Patientenangaben und die Kontrolle leerer Pillendosen reichen nicht aus.

Quelle: Simon ST et al. BMJ 2021; 374: n1493; DOI: 10.1136/bmj.n1493

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