Wo gibt’s die nächste Praxis mit Fremdsprachenkenntnissen?

Autor: Maya Hüss

Transkulturelle Beratungen in der Muttersprache. © DDZ e.V.

Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Dari, Farsi, Russisch und Polnisch - auf dem letzten Diabetes-Tag konnten sich die Besucher unterschiedlicher Sprachkulturen zum Thema Diabetes beraten lassen. Eine der Initiatorinnen berichtet.

„Auch Besucher und Besucherinnen ohne Migrationshintergrund interessierten sich für unseren Stand“, berichtet Faize Berger, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten der DDG. Zusammen mit dem Regionalen Innovations-Netzwerk (RIN-Diabetes) und dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband wurde auf dem 16. Düsseldorfer Diabetes-Tag in den Räumen der Handwerkskammer zum ersten Mal ein transkultureller Beratungsstand für Menschen, die aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen stammen, aufgebaut.

Besonderes Interesse zeigten die Besucher laut Berger zu den Themen Anleitung und Versorgungsstrukturen. Die wichtigsten Fragen, die es dabei zu klären galt, waren: „Wie gehe ich mit einer Diagnose für Typ-2-Diabetes um?“ und „was muss meine Familie beachten?“.

Transkulturelles Aufklärungsmaterial für die Praxis

Zu folgenden Themen sollte Informationsmaterial herausgegeben werden:

  • Diabetes und Zahngesundheit: Patienten sollten zudem aktiv auf die letzte Untersuchung beim Zahnarzt angesprochen werden.
  • Diabetes und Sexualität: Die Hauptzielgruppe bilden zwischen 40- und 50-jährige Frauen und Männer.
  • Diabetes und Fuß: Hier kann es kulturelle Besonderheiten geben, z.B. bei der Auswahl der Schuhe.
  • Informationsmaterial für Angehörige: Was mache ich bei einer Unterzuckerung? Welche Besonderheiten gibt es, wenn mein Kind an Diabetes erkrankt?
  • Fasten im Ramadan
  • Ernährungsunterschiede
  • Bewegung: Hilfreich sind Angebotsübersichten, die zeigen, welche Schwimmbäder und Sporteinrichtungen z.B. „Frauentage“ anbieten.

Besucher erhielten vom 10-köpfigen Team Adresslisten

Sehr begehrt war außerdem laut AG-Vorsitzender der mehrsprachige Diabetes-LeitfadenDiabetes – Informieren, Vorbeugen, Handeln“ des Ethno-Medizinischen Zentrums der Deutschen Diabetes Stiftung.

Die Beratungen des gut 10-köpfigen Teams am Stand, bestehend aus Diabetesberatern und -beraterinnen, Diätassistenten und -assistentinnen sowie Ökotrophologen, fanden zum Teil auf deutsch, englisch, arabisch, türkisch und polnisch statt. Gruppenberatungen wurden in einem dafür vorgesehenen Raum durchgeführt. Um Menschen mit Migrationshintergrund bei der Arztsuche zu unterstützen, erhielten die Besucher Adresslisten von diabetologischen Schwerpunktpraxen mit Fremdsprachenkenntnissen. Auf einem Monitor wurden zudem erklärende Kurzfilme zu Themen wie Ernährung, Bewegung, Folge- und Begleiterkrankungen gezeigt.

„Die Anzahl der Besucher war im Vergleich zum Aufwand eher niedrig“, resümiert Berger. So konnte erst nach einiger Zeit notwendiges Fachpersonal gefunden werden. Zudem musste bereits vor dem Diabetes-Tag Werbung für den Stand gemacht werden. Hierfür wurden Flyer in Düsseldorf und dem angrenzenden Ratingen in Apotheken, Krankenhäusern und Arztpraxen verteilt.

Und auch die Gebetshäuser und Migrantenorganisationen wurden von der Arbeitsgemeinschaft über den Integrationsbeauftragten der Stadt über den Beratungsstand informiert. Die Informationsmaterialien wurden im Vorfeld in Zusammenarbeit von AG und RIN-Diabetes in einem aufwendigen Prozess erarbeitet und festgelegt.

„Besser ist es, die Menschen in ihren Communitys zu beraten“

Das ungleiche Verhältnis von Aufwand zu Standbesuchern bestätige die Hypothese der Arbeitsgemeinschaft: „Menschen mit Migrationshintergrund bilden eine heterogene Gruppe. Die dazugehörigen Subgruppen, die für eine transkulturelle Beratung interessant sind, sollten in ihren Communitys vor Ort informiert und in Gruppen beraten werden“, erklärt Berger.


Transkulturelle Beratungen in der Muttersprache. © DDZ e.V.
Faize Berger; Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten der DDG © Privat
Transkulturelle Beratungen in der Muttersprache. © DDZ e.V.