Akutes Koronarsyndrom ohne viel Aufhebens ausschließen

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Akute Brustschmerzen können häufig schon durch eine klinische Abklärung und Laborwerte richtig eingeordnet werden. © fotolia/ArTo

Klinische Untersuchung, EKG und Laborwerte: Das sollte zunächst mal genügen, um akute Brustschmerzen einzuordnen. Einer aktuellen Studie zufolge nutzt eine koronare CT-Angiographie initial nichts.

Über die richtige Strategie zur Abklärung akuter Brustschmerzen wird anhaltend diskutiert. Groß ist vor allem die Angst, ein akutes Koronarsyndrom (ACS) zu übersehen. Amerikanische Kollegen prüften nun, wie sich neben Anamnese, klinischer Untersuchung, EKG und Biomarkern weitere nicht-invasive Maßnahmen auswirken. Dazu randomisierten sie 1000 Patienten mit akuten Brustschmerzen.

Eine rein klinische Abklärung durchliefen 118 dieser Patienten (12 %), die große Mehrzahl erhielt zusätzlich eine koronare CT-Angiographie oder funktionelle Stresstestung. Bei den nur klinisch untersuchten Patienten wurde häufiger eine nicht-kardiale Ursache der Brustschmerzen diagnostiziert (91 vs. 87 %). Sie konnten das Krankenhaus schon nach 20,3 Stunden (vs. 27,9 Stunden) verlassen, bekamen innerhalb von 28 Tagen seltener diagnostische Folgeuntersuchungen wie Angiographien und hatten eine geringere kumulative Strahlenexposition. Auch die Kostensituation stellte sich günstiger dar.

Akute Koronarsyndrome wurden bei diesen Patienten zwar seltener diagnostiziert (0 % versus 9 %), was entsprechend weniger perkutane Interventionen (PCI) nach sich zog. Doch die zusätzliche nicht-invasive Testung per se trug zur höheren Zahl an ACS-Diagnosen nicht bei, schreiben Dr. Samuel Reinhardt vom Department of Internal Medicine der Washington University School of Medicine und Kollegen. Es wurde in keiner Gruppe ein ACS übersehen. Auch im Verlauf von 28 Tagen gab es keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit von PCI, Bypass-OP, erneuten Notfallaufnahmen oder größeren akuten koronaren Ereignissen.

Bildgebung verfrüht infrage gestellt?

In einem Editorial betont Dr. Gregory Curfman von der Harvard Medical School in Boston aber, dass die Studie nicht dazu diente, die Frage des Nutzens einer zusätzlichen nicht-invasiven Testung zu beantworten. Auch seien die Patienten nicht entsprechend randomisiert worden. Deshalb hält er die Schlussfolgerung, die zusätzlichen Untersuchungen brächten keinen diagnostischen Vorteil, ohne randomisierte klinische Studie für verfrüht. 

1.Reinhardt SW et al. JAMA Intern Med 2017; online first
2.Curfman G. A.a.O.