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Albträume: Patienten mit der richtigen Technik befreien

Autor: Maria Weiß

In einer vergleichenden Studie waren IRT und Konfrontation mit ähnlichen Effektstärken bei idiopathischen Albträumen wirksam. In einer vergleichenden Studie waren IRT und Konfrontation mit ähnlichen Effektstärken bei idiopathischen Albträumen wirksam. © iStock/suteishi
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Häufige Albträume beeinträchtigen nicht nur den Schlaf, sondern auch die Lebensqualität. Die meisten Betroffenen sprechen ihren Arzt deswegen aber gar nicht an. Dabei könnte er ihnen durchaus helfen.

Albträume selbst sind relativ einfach zu behandeln. Allerdings treten sie oft im Kontext mit anderen Komorbiditäten auf, was die Therapie erschwert. Zu denken ist vor allem an die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), bei der die „bösen Träume“ ein Hauptsymptom sind. Aber auch andere Angststörungen, Depressionen, Sucht, Essstörungen sowie schizoaffektive Psychosen sind häufig mit Albträumen assoziiert, erklärte die Diplompsychologin Dr. Johanna Thünker, die in Bottrop als Verhaltenstherapeutin niedergelassen ist.

Relativ viele Erfahrungen gibt es mit der „Imagery Rehearsal Therapy“ (IRT). Sie wurde ursprünglich für die Behandlung von wiederkehrenden Albträumen bei PTBS-Patienten entwickelt, ist aber auch zur Behandlung idiopathischer Albträume geeignet. Das Prinzip: Die Patienten schildern und imaginieren ihre belastenden Trauminhalte und entwickeln dann zusammen mit dem Therapeuten ein alternatives Drehbuch für den Traum, damit dieser sozusagen ein gutes Ende nimmt.

Diese „Traumüberschreibung“ kann bei Erwachsenen in Form einer standardisierten Therapie mit acht ambulanten Sitzungen im Einzelsetting erfolgen, erläuterte die Psychologin. Zu den Kontraindikationen gehören akute Psychosen, Suizidgefährdung und akute Intoxikationen.

Trauminhalte aufschreiben und mehrmals laut vorlesen

Noch nicht evaluiert ist das Konzept bei Kindern und Jugendlichen. Nach Erfahrung von Dr. Thünker kann man es aber auch bei ihnen anwenden, sofern die Albtraummodifikation spielerisch und unter Einsatz von Techniken wie Malen, Basteln und Rollenspielen erfolgt.

Eine weitere Therapiemöglichkeit sind die ansonsten bei Angststörungen angewandten Konfrontationstechniken, von denen Dr. dipl. psych. Carolin Schmid vom Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt berichtete. Hierbei schreiben die Patienten ihre Trauminhalte in der Ich-Form auf – möglichst ausführlich und mit allen dabei vorkommenden Sinneseindrücken und Emotionen. Diesen Text lesen sie sich dann immer wieder laut vor. Dabei sollen sie sich Zeit nehmen, innere Bilder entstehen lassen und Emotionen zulassen. Dieses Training wird solange wiederholt, bis das Erregungsniveau während des Lesens deutlich abnimmt.

In Zukunft beide Methoden kombiniert einsetzen?

In einer vergleichenden Studie waren IRT und Konfrontation mit ähnlichen Effektstärken bei idiopathischen Albträumen wirksam. Unklar bleibt aber, was der eigentliche Wirkmechanismus ist. So könnten schon die positive Erwartungshaltung und das Erlernen einer Technik mit dem Gefühl der Selbstwirksamkeit positiv auf das Traumerleben wirken.

Dr. Jaap Lancee vom Department of Clinical Psychology der University of Amsterdam stellte eine aktuelle Metaanalyse zur Albtraumtherapie bei PTBS-Patienten vor. Verglichen wurde die Wirkung einer IRT (8 Studien, 551 Patienten) mit der einer Therapie mit dem Alpha-1-Blocker Prazosin (7 Studien, 527 Patienten). Beide Methoden zeigten eine ähnlich gute Wirksamkeit mit moderater Effektstärke im Hinblick auf die Zahl der Albträume, posttraumatische Symptome und Schlafqualität. Interessant könnte in Zukunft auch die Kombination beider Methoden sein, sagte der Psychologe.

Quelle: 28. Jahrestagung der DGSM (Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin) – Online-Veranstaltung

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