Allogene Stammzelltransplantation: Gematchte Geschwisterspender weiterhin besser geeignet

Autor: Josef Gulden

Einige Patienten mit hämatologischen Erkrankungen sind auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. © ustas – stock.adobe.com

Die allogene Stammzelltransplantation hat in den letzten beiden Jahrzehnten einen starken Aufschwung erfahren. Wie sich die Ergebnisse in Abhängigkeit von der Spenderwahl entwickelt haben, wurde nun in einer retrospektiven Registerstudie der EBMT untersucht.

Für Patienten mit bestimmten hämatologischen Erkrankungen ist die allogene Stammzelltransplantation (alloHSCT) die einzige potenziell kurative Therapieoption. Zu Beginn waren Geschwisterspender mit perfekter HLA-Entsprechung obligat. Die Folge: Nicht einmal für ein Drittel aller Patienten standen Zellen zur Verfügung. Durch die Liberalisierung bei der Spenderwahl sind nun auch nicht verwandte gematchte Spender sowie Nabelschnurblut und haploidentische verwandte Spender zugelassen. Damit ist heute für fast alle Patienten in den entsprechenden Registern ein Spender auffindbar.

Ein weniger gutes Matching erhöht zwar einerseits das Risiko für Graft-versus-host-Reaktionen und für nicht durch Rezidive bedingte Mortalität. Andererseits nimmt man aber an, dass dadurch auch die Graft-versus-Tumor-Wirkung zunimmt. Dazu kommt die methodische Weiterentwicklung, schreiben die Studienautoren um Dr. Roni Shouval, Sheba Medical Center, Ramat Gan. So erlaubt die Konditionierung mit reduzierter Intensität Transplantationen auch bei älteren Patienten mit mehr Komorbiditäten. Insgesamt könnte es daher sein, dass die Auswirkungen eines schlechteren genetischen Matchings mittlerweile durch andere Faktoren ausgeglichen werden.

Um das zu quantifizieren, wurden aus dem Register der European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) für den Zeitraum zwischen 2001 und 2015 die Daten von 106 188 Patienten analysiert, die Transplantate aus einer der genannten Quellen erhalten hatten. Die Überlebensraten wurden für drei Zeiträume separat untersucht: 2001–2005, 2006–2010 und 2011–2015. Die mediane Nachbeobachtungszeit nach der Transplantation betrug 4,1 Jahre. Die Drei-Jahres-Überlebensraten stiegen zwischen dem zweiten und dritten Zeitraum an:

  • bei HLA-gematchten Geschwisterspendern von 54,0 % auf 54,6 %,
  • bei optimal gematchten nicht verwandten Spendern von 49,1 % auf 51,6 %,
  • bei nicht optimal gematchten nicht verwandten Spendern von 37,4 % auf 41,3 %,
  • bei haploidentischen Spendern von 34,5 % auf 44,2 % und 
  • bei einer Nabelschnurblutspende von 36,3 % auf 43,7 %.

Dabei schien die Überlebensverlängerung v.a. durch einen Rückgang der nicht-rezidivbedingten Mortalität verursacht zu sein. Einzige Ausnahme: die Empfänger von Nabelschnurblut, bei denen sich der Anteil der Rezidive verringerte.

Wenn die Empfänger nach dem Risiko ihrer Erkrankung stratifiziert wurden, blieb der Vorteil der gematchten Geschwisterspende erhalten. Allein bei Hochrisiko-Erkrankungen schnitten gematchte nicht verwandte Spenden genauso gut ab, so die Wissenschaftler.

Vor allem bei haploidentischer und Nabelschnurblut-Transplantation haben sich die Überlebensaussichten zwischen 2006 und 2015 also deutlich verbessert, resümieren die Autoren. Dennoch bleibe die traditionelle „Spender-Hierarchie“ erhalten, wonach gematchte Geschwisterspender besser sind als gematchte nicht verwandte Spender und die übrigen Strata daran anschließen. Bestätigen sich die Daten in anderen Untersuchungen, könnte das für die Entscheidung im Fall einer Transplantations-Indikation sowie zur Entwicklung von Algorithmen zur Spenderwahl hilfreich sein. 

Quelle: Shouval R et al. Lancet Haematol 2019; doi: 10.1016/S2352-3026(19)30158-9