Analfissur auf 6 Uhr: Anodermaler Riss heilt mit Salbe, Zäpfchen und Skalpell

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Analfissur: Dass das Anoderm meist auf 6 Uhr reißt, liegt wohl an der schlechteren Durchblutung an dieser Stelle. © fotolia/absolutimages; wikimedia/ Dr. K.-H. Günther, Klinikum Main Spessart, Lohr am Main

Patienten mit akuter Analfissur klagen typischerweise über einen intensiven analen Schmerz direkt nach der Defäkation. Der Grund ist oft ein zu hoher Sphinktertonus, der sich mit Salben senken lässt.

Definitionsgemäß handelt es sich bei der Analfissur um einen Längsriss der Schleimhaut distal der Linea dentata. Das längliche Ulkus bildet sich meist in der hinteren Kommissur (6 Uhr in Steinschnittlage), seltener in der vorderen (12-Uhr-Position), beide Lokalisationen gelten jedoch als typisch. Ausgelöst werden die Fissuren wahrscheinlich durch mechanische Verletzungen z.B. bei hartem Stuhlgang. Akute Einrisse verheilen meist innerhalb von sechs Wochen, chronische Einrisse bestehen länger als sechs Wochen.

Analfissur: Chronische Risse werden oft nur zufällig entdeckt

Das vermehrte Auftreten in der 6-Uhr-Position hängt möglicherweise mit der dort erheblich schlechteren Blutversorgung zusammen, schreiben Dr. Jürgen Feisthammel und Professor Dr. Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig. Außerdem haben Patienten mit Analfissur oft einen stark erhöhten Sphinktertonus. Dieser kann sowohl Ursache als auch Folge der Fissur sein.

Patienten mit akut aufgetretener Fissur klagen über einen heftigen Schmerz am Anus, der nach der Defäkation auftritt und stundenlang anhalten kann. Außerdem kommt es oft zum Abgang von hellrotem Blut (Flecken auf dem Toilettenpapier).

Chronische Fissuren können dagegen auch asymptomatisch verlaufen und fallen manchmal nur als Zufallsbefund bei der rektalen Untersuchung auf (längliche Vernarbung im Analkanal). Außerdem findet sich distal der chronischen Fissur nicht selten ein mariskenähnliches Gebilde, die sogenannte Vorpostenfalte.

Kotkorken mit Wasser und Ballaststoffen weichkriegen

Therapeutisch steht die Stuhlregulation an erster Stelle. Sie lässt sich oft schon mit ballaststoffreicher Ernährung und genügender Flüssigkeitszufuhr erreichen, ggf. verstärkt durch die Einnahme von Flohsamenschalenpulver. Auch lokalanästhetisierende Zäpfchen und Salben erleichtern die Symptomkontrolle.

Falls die Fissur nicht innerhalb weniger Wochen abheilt, empfehlen die Autoren Salben, die die Durchblutung fördern und den Sphinktertonus senken. Nitrathaltige Externa verursachen häufig Kopfschmerzen. Deshalb bevorzugen die Autoren den Kalziumkanalblocker Diltiazem (2 %).

Diese Rezeptur muss jedoch in der Apotheke hergestellt werden: Diltiazem-HCL 1 g, Basiscreme Deutsches Arzneibuch (DAB) ad 50 g. Stark vernarbte Fissuren sprechen auf die konservative Therapie oft nur unzureichend an. Eine Exzision des Narbengewebes kann die Heilungstendenz deutlich verbessern. Die Sphinkterotomie und die Injektion von Botulinumtoxin spielen dagegen hierzulande keine Rolle. Bei ungewöhnlicher Lokalisation außerhalb von 6 und 12 Uhr sollte man immer an andere Ursachen denken, etwa einen M. Crohn, sexuell übertragbare Krankheiten (Lues) oder Malignome.

Quelle: Feisthammel J, Mössner J. Internist 2017; 58: 1053-1064