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Appendizitis wird gerne mal übersehen – besonders bei Frauen

Autor: Michael Brendler

Vor allem bei Frauen und Mädchen kommt es zu Fehldiagnosen. Vor allem bei Frauen und Mädchen kommt es zu Fehldiagnosen. © iStock/baytunc
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Heftige Bauchschmerzen, die lebensgefährlich werden können: Bei einem entzündeten Wurmfortsatz darf man nicht zögern. Doch selbst Ärzte in der Notaufnahme erkennen die Appendizitis nicht immer auf Anhieb.

Ein entzündeter Wurmfortsatz ist eine Standarddia­gnose in der chirurgischen Notfallmedizin. Und dennoch liegen sogar Fachleute nicht selten daneben, wenn sie damit konfrontiert werden. Eine Studie hat nun geklärt, wie oft solche Irrtümer passieren und was in diesen Fällen falsch läuft.

Unspezifische Symptome erschweren Diagnostik

Bauchschmerzen sind das klassische Appendizitis-Symptom – was die Sache für den Arzt nicht einfacher macht. Denn Bauchschmerzen sind so unspezifisch, dass sie schnell auf die falsche Spur lenken. Ähnliches gilt für andere Zeichen, mit denen sich ein entzündeter Blinddarm meldet, etwa Verstopfungen, Übelkeit, Fieber und Durchfall. All das spielt eine maßgebliche Rolle dabei, dass bei 6 % der Erwachsenen und 4,4 % der Kinder die Wurmfortsatzentzündung in der Notfallambulanz zunächst nicht erkannt wird.

Diese Zahlen hat Professor Dr. Prashant Mahajan von der Abteilung für Notfallmedizin der Universität Michigan gemeinsam mit Kollegen ermittelt. Die Notfallmediziner hatten die Daten einer großen Krankenversicherung ausgewertet, wobei die Gesundheitsakten von 123 711 Erwachsenen und 22 336 Kindern mit einer Appendizitis in die Analyse eingeschlossen waren.

Überdurchschnittlich häufig, so ein Ergebnis der Untersuchung, erfolgte die Fehldiagnose bei Mädchen und Frauen. Auffallend oft waren zudem Patienten mit Begleit­erkrankungen betroffen. Dasselbe galt, wenn sich die Kranken mit der Symptomkombination Bauchschmerz und Verstopfung vorstellten. Alleiniger Bauchschmerz oder Abdominalschmerz plus Übelkeit schienen dagegen eindeutigere Hinweise zu liefern. Wurde bei Erstvorstellung ein CT angefertigt, stiegen die Chancen auf die richtige Diagnose. Wurde das Abdomen lediglich geröntgt, sanken sie. Was wohl damit zu tun hat, dass die Ärzte bei Anordnung der Tomographie schon den ganz konkreten Verdacht hatten, so die Vermutung der Autoren.

Patienten mit Bauchschmerz nicht einfach gehen lassen

Auch die Sonographie gibt oft nicht die entscheidenden Hinweise: 22,3 % der Ultraschalluntersuchung bei Erwachsenen ließen die Appendizitis im ersten Anlauf unentdeckt. Dennoch sei eine CT sicherlich nicht bei allen Verdachtsfällen notwendig, meinen die Autoren. Bei ungeklärtem Bauchschmerz sollte man die Patienten aber einige Zeit im Blick behalten, so sein Rat.

Quelle: Mahajan P et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e200612; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.0612


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