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Asthma: Ohne Exazerbation kein Biologikum

Autor: Manuela Arand

Die größte Herausforderung liegt immer noch darin, schweres Asthma vom schwer behandelbaren Asthma abzugrenze Die größte Herausforderung liegt immer noch darin, schweres Asthma vom schwer behandelbaren Asthma abzugrenze © iStock/Pollyana Ventura
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Seit mehr als ein Biologikum fürs schwere Asthma zur Verfügung steht, dreht sich die Diskussion primär darum, wer welches bekommen soll. Wichtig wäre es aber, vorab zu wissen, wer profitieren wird. Das ist nicht dasselbe.

Die fünf für die Therapie des schweren Asthma bronchiale verfügbaren Biologika – eins gegen IgE, drei gegen IL-5, eins gegen IL-4/13 – beeinflussen vor allem die Exazerbationshäufigkeit und den Bedarf an oralen Steroiden. Sie wirken aber nicht zuverlässig auf Lungenfunktion und Symptomlast, erklärte Professor Dr. Celeste Porsbjerg, Bispebjerg Hospital Kopenhagen.

Krankheitsbeginn als Therapieindikator

Eine hohe Symptomlast oder eine schlechte Lungenfunktion allein sei daher kein Grund, ein Biologikum zu verordnen. „Uns werden oft hoch symptomatische Patienten überwiesen, aber solange sie nicht exazerbieren oder reglmäßig orale Kortikosteroide nehmen, können wir ihnen kein Biologikum anbieten“, sagte die Kollegin.

Anhaltspunkte für den Biologika-Einsatz

Anti-IgE

  • Eosinophilie
  • erhöhte FeNO-Werte
  • allergische Rhinitis
  • Asthmabeginn in der Kindheit
  • Nasenpolypen

Anti-IL-5

  • Eosinophilie
  • Exazerbationsrate
  • Asthmabeginn im Erwachsenenalter
  • Nasenpolypen

Anti-IL-4/13

  • Eosinophilie
  • erhöhte FeNO-Werte
  • Nasenpolypen

Der klinische Effekt der Biologika lässt sich auch nicht zuverlässig an Biomarkern ablesen, obwohl z.B. Eosinophile, FeNO sowie ein früher oder später Krankheitsbeginn dazu beitragen, eine Vorhersage zu ermöglichen (s. Kasten). So sprechen Patienten mit Krankheitsbeginn in der Kindheit oft gut auf Anti-IgE an, während andere, die ihr Asthma erst als Erwachsene bekommen haben, vor allem auf Anti-IL-5 reagieren. Am Ausprobieren führt allerdings bislang kein Weg vorbei.

Komorbiditäten sind fast immer mit im Boot

Die größte Herausforderung liegt immer noch darin, schweres Asthma vom schwer behandelbaren Asthma abzugrenzen, betonte Prof. Porsbjerg. Schwer behandelbar kann Asthma natürlich bei Patienten sein, die bei keinem Therapieregime mitziehen oder die mit keinem Inhalator zurechtkommen. Daneben sind die Exposition gegen Allergene, Zigarettenrauch oder Irritanzien auszuschließen sowie – ganz wichtig – das Vorliegen schlecht behandelter Begleiterkrankungen. Tut man das systematisch und überprüft man zudem die Diagnose, wird sich in neun von zehn Fällen herausstellen, dass der Patient eben doch kein reines schweres Asthma hat, obwohl es mit Hochdosis-ICS oder OCS nicht zu kontrollieren ist.

Begleiterkrankungen, welche die Krankheitskontrolle erschweren, finden sich bei praktisch jedem Patienten mit schwerem Asthma: Die Hälfte hat eine chronische Rhinosinusitis mit oder ohne Nasenpolypen, 70 % eine allergische Rhinitis. Bis zu zwei Drittel schleppen zu viel Gewicht mit sich herum, sodass es nicht verwundert, dass jeder Dritte an einer obstruktiven Schlafapnoe leidet. Es ist wichtig, solche Komorbiditäten adäquat zu behandeln, bevor die Entscheidung für oder gegen ein Biologikum fällt.

Nicht in jedem Fall bessere Erfolgschancen?

Für alle genannten Konditionen ist nachgewiesen, dass deren Behandlung das Asthmamanagement erleichtert und die Ergebnisse verbessert. Für andere wie den gastroösophagealen Reflux, Bronchiektasen oder Angst/Depression steht der Beweis noch aus.

„Wir wissen nicht, wie gut Biologika bei Patienten mit unbehandelten Komorbiditäten wirken, aber wahrscheinlich weniger gut“, meinte Prof. Porsbjerg.

Quelle: ERS* International Congress virtual (*European Respiratory Society)

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