Auch leicht verletzte Senioren brauchen eine CT von Schädel und Hals

Autor: Maria Weiß

Senioren verspüren häufig keine Schmerzen bei gebrochenen Halswirbeln. Umso wichtiger ist die Abklärung nach einem Sturz durch eine Schädel-CT. © iStock/JohnnyGreig

Hat sich ein älterer Patient bei einem Sturz nur leicht den Kopf angehauen, sollte dieser trotzdem im Tomographen untersucht werden. Denn in rund einem von fünf Fällen liegt eine relevante Verletzung vor.

Rund 300–400 von 100 000 Bundesbürgern erleiden pro Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma. Dabei handelt es sich in mehr als der Hälfte der Fälle um einfache Stürze zu Hause oder im Pflegeheim, berichtete Dr. Alexander­ G. Brand­ von der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig.

Doch auch nach einem Niedrig-­Energie-Trauma gelten ein Alter über 65 und die Einnahme von Gerinnungshemmern als absolute Indikationen für eine Schädel-CT.

Dass dabei immer die Halswirbelsäule mit untersucht werden sollte, wird durch eine retrospektive Untersuchung unterstützt, die Dr. Brand vorstellte. In die Studie eingeschlossen waren alle Patienten, die in den Jahren 2014 und 2015 nach Vorstellung in der Notaufnahme eine CT von Schädel und Halswirbelsäule erhalten hatten. Betroffene unter 65 Jahren und nach Hoch-Energie-Trauma waren ausgeschlossen. Von den insgesamt 209 Patienten (37,8 % männlich, mittleres Alter 81 Jahre) nahmen 75 % Thrombozytenaggregationshemmer oder orale Antikoagulanzien ein.

In 18,6 % der Fälle zeigte sich in der CT eine relevante Verletzung. Bei sieben Untersuchten (3,3 %) wurden Frakturen der Halswirbelsäule festgestellt, bei 15,3 % intrakranielle Blutungen. Die Einnahme von Gerinnungshemmern hatte keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Hirnblutungen.

Die Indikation zu einer Schädel-CT sollte daher bei älteren Menschen nach Kopfverletzung unabhängig vom Gerinnungsstatus großzügig gestellt werden. Das Gleiche gilt für die Halswirbelsäule, da ältere Menschen bei Frakturen in diesem Bereich oft keine Schmerzen angeben, sagte Dr. Brand.

Jüngere Patienten schickt man eher in die Röhre

Die Realität sieht aber möglicherweise anders aus: Franziska­ Ziegenhain­ vom Universitätsspital Zürich stellte dazu eine Analyse von mehr als 114 000 Patienten aus dem TraumaRegister DGU® vor. Auch hier zeigte sich, dass isolierte Kopfverletzungen mit zunehmendem Alter häufiger werden – bei Hochbetagten aber eher seltener ein Schädel-CT durchgeführt wird als bei jüngeren Verletzten.

Kongressbericht: Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2019