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Babys ruhig mal schreien lassen – kein Einfluss auf die Beziehung

Autor: Michael Brendler

Auch wenn es den Eltern schwerfällt, ist es manchmal besser, noch etwas zu warten, bevor man zum schreienden Baby geht. Auch wenn es den Eltern schwerfällt, ist es manchmal besser, noch etwas zu warten, bevor man zum schreienden Baby geht. © iStock/FamVeld
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Lassen Eltern ihre Babys in den ersten Lebensmonaten auch einmal schreien, führt das weder zu Verhaltensauffälligkeiten noch zu einem gestörten Eltern-Kind-Verhältnis. Im Gegenteil: Der Nachwuchs wird dann ruhiger.

Ist es ein Zeichen von Herzlosigkeit, auf das Weinen seines Kindes nicht zu reagieren? Oder ist es vielmehr eine angemessene erzieherische Maßnahme, um dem Kind das Schreien abzugewöhnen? Eine allgemeingültige Empfehlung, wie mit den kleinen Krakeelern umzugehen sei, können Dr. Ayten Bilgin und Professor Dr. Dieter Wolke zwar nicht geben. Aber dank ihrer Untersuchungen wissen wir nun zumindest eines: Man fügt dem Kind keinen Schaden zu, wenn man es schreien lässt.

Kind und Eltern passen sich aneinander an

Die beiden Wissenschaftler hatten 178 Neugeborene und deren Eltern über 18 Monate beobachtet. Wenn Vater oder Mutter in den ersten drei Monaten schnell reagierten, die Babys mit der Zeit jedoch länger schreien ließen, waren die Kinder im Alter von 18 Monaten ruhiger. Schreienlassen ist auch kein Zeichen für mangelnde Zuneigung der Eltern oder fehlende Sensibilität, haben die Autoren mit psychologischen Tests gezeigt. Gleichzeitig führt es beim Baby nicht zu Verhaltens­auffälligkeiten oder einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung, wenn Mutter oder Vater nicht sofort kommen und sich um den kleinen Schreihals kümmern.

Sich auf die eigene Intuition verlassen

In der Studie reagierten die Eltern in den ersten Monaten sehr sensibel auf ihr schreiendes Kind, in den Folgemonaten jedoch zunehmend zögerlicher. Was dem Nachwuchs die Möglichkeit gab zu lernen und sein Verhalten selbst zu regulieren. Und so plädieren Dr. Bilgin und Prof. Wolke dafür, sich in dieser Frage auf die eigene Intuition zu verlassen. Man solle den Eltern und den Babys mehr vertrauen, meinen sie.

Quelle: Bilgin A, Wolke D. J Child Psychol Psychiatry 2020; DOI: 10.1111/jcpp.13223

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