Beim Adenokarzinom des Ösophagus nach Viren fahnden

Autor: Maria Weiß

Die Viren helfen nicht nur bei Kopf-Hals-Tumoren, sie verlängern auch die Leben von Patienten mit ösophagealen Adenokarzinomen. © iStock.com/luismmolina

Ösophageale Adenokarzinome gehören zu den Tumoren mit der schlechtesten Prognose. Sind dabei humane Papillomaviren im Spiel, scheinen die Patienten bessere Karten zu haben.

Bisher wusste man, dass ein positiver HPV-Status (humane Papillomaviren) bei Kopf-Hals-Tumoren mit besseren Überlebenschancen einhergeht. Australische Forscher wollten nun herausfinden, ob dies möglicherweise auch beim ösophagealen Adenokarzinom und der fortgeschrittenen Barrett-Dysplasie der Fall ist. Dazu führten sie eine Fallkontroll-Studie mit 142 Patienten mit hochgradiger Barret-Dysplasie oder einem EAC durch (89 % Männer, mittleres Alter 66 Jahre). 37 Patienten waren HPV-positiv und 105 HPV-negativ. Die HPV-positiven Patienten schnitten dabei in allen Bereichen deutlich besser ab: Sie hatten ein längeres krankheitsfreies Überleben (40 vs. 24 Monate) und ein längeres Gesamt-überleben (44 vs. 30 Monate). Außerdem kam es bei ihnen seltener zu Rezidiven oder einer Krankheitsprogression (24 vs. 58 %). Auch Fernmetastasen traten deutlich seltener auf (8 vs. 28 %). Schließlich verstarben die Patienten mit positivem HPV-Status auch seltener am Ösophaguskarzinom (14 vs. 36 %).

Bessere Immunantwort gegen den Tumor?

Der Grund für das bessere Abschneiden der HPV-positiven Patienten ist unklar. Möglicherweise kommt es durch die Viren zu einer verstärkten Immunantwort gegen den Tumor oder die Empfindlichkeit gegenüber Strahlen- und Chemotherapie wird erhöht, schreibt Dr. Sukhbinder Dhesy-Thind, Hamilton, Kanada, in einem Kommentar. Nach seiner Meinung müssten die Ergebnisse in prospektiven Studien bestätigt werden, bevor man daraus praktische Konsequenzen zieht.

1. Shanmugarajah R et al. JAMA Network Open 2018; 1: e181054
2. Dhesy-Thind S. A.a.O. 1: e181415