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Blutdrucksenkung unter 120 mmHg reduziert kardiovaskuläre Risiken

Autor: Sabine Mattes

Die Datenanalyse ergab in der intensiviert behandelten Gruppe eine signifikant niedrigere Rate an schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen. Die Datenanalyse ergab in der intensiviert behandelten Gruppe eine signifikant niedrigere Rate an schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen. © iStock/eggeeggjiew
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Den Blutdruck niederknüppeln oder doch besser bis 140 mmHg tolerieren: Zu dieser Frage reden sich Experten die Köpfe heiß. Eine aktuelle Analyse lässt das Pendel wieder zur strengeren Fraktion hin ausschlagen.

Die Frage nach dem optimalen systolischen Zielwert gibt immer wieder Anlass für Diskussionen. Erste Auswertungen der SPRINT-Studie hatten vor einiger Zeit signifikante Vorteile einer Blutdrucksenkung < 120 mmHg gezeigt. Nun bestätigt die finale Auswertung diese Ergebnisse.

In die Studie eingeschlossen wurden 9361 Patienten mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Sie bekamen randomisiert eine Standard- oder eine intensivierte Therapie zur Regulierung des systolischen Blutdrucks. Der Zielbereich lag < 140 bzw. < 120 mmHg. Personen mit Diabetes, Demenz oder Schlaganfall in der Vorgeschichte durften nicht teilnehmen. Der kombinierte primäre Endpunkt umfasste Myokardinfarkt und sonstige akute Koronarsyndrome, Schlaganfall, akute Herzinsuffizienz bzw. kardiovaskulär bedingtes Ableben.

Unter intensivierter Therapie häufiger Hypotonien

Die primäre Datenanalyse nach median drei Jahren ergab in der intensiviert behandelten Gruppe eine signifikant niedrigere Rate an schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen (1,77 vs. 2,40 %/Jahr, Hazard Ratio 0,73). Nach der ursprünglichen Auswertung bemängelten Kritiker, dass die positiven Resultate v.a. dadurch zustande kamen, dass man mittels verschärfter Diurese die Rate an Herzinsuffzienzen deutlich senkte. In der aktuellen Analyse blieb aber das Ergebnis auch nach Herausrechnen von Herzinsuffizienzen stabil.

Die Gesamtmortalität war im verschärft behandelten Studienarm ebenfalls deutlich geringer (1,06 vs. 1,41 %/Jahr, HR 0,75). Allerdings kam es unter intensivierter Therapie häufiger zu Hypotonie, Elektrolytentgleisung, akutem Nierenversagen und Synkopen.

An die eigentliche Studienphase schloss sich eine Nachbeobachtungszeit von einem Jahr an, in der die Therapieverantwortung zurück in die Hände der Primärversorger fiel. Nach Rücksprache bekamen die Patienten nun entweder weiterhin die Studienmedikation (und behielten den systolischen Zielwert bei) oder ihre vorherige Behandlung.

Die finale Auswertung, die beide Phasen einschloss, bestätigte im Wesentlichen die ermittelten Vor- und Nachteile. Allerdings näherten sich unter der Ägide der regulär betreuenden Ärzte die systolischen Werte beider Gruppen einander an.

Quelle: Lewis CE et al. N Engl J Med 2021; 384: 1921-1930; DOI: 10.1056/NEJMoa1901281

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