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COVID-19: Kontaktlinsen können am Auge festkleben

Autor: Kathrin Strobel

COVID-19? Kontaktlinsen raus! Bei hochfieberhaftem Infekt droht das Tight-Lens-Syndrom. COVID-19? Kontaktlinsen raus! Bei hochfieberhaftem Infekt droht das Tight-Lens-Syndrom. © Dr. Hans-Walter Roth, Ulm; Romolo Tavani – stock.adobe.com
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Bei Fieber sollten Kontaktlinsenträger auf ihre Sehhilfen verzichten. Denn ansonsten droht das Tight-Lens-Syndrom: Die Linsen kleben am Auge fest. Das ist schmerzhaft und führt mitunter sogar zu Verletzungen.

Wenn Kontaktlinsenträger morgens mit stark brennenden Augen, reduziertem Sehvermögen, ausgeprägtem Fremdkörpergefühl im Auge und extremer Lichtempfindlichkeit aufwachen, kann ein sogenanntes Tight-Lens-Syndrom dahinterstecken: Die Kontaktlinse setzt sich am Auge fest.

Dazu kann es kommen, wenn die Sehhilfen trotz eines fieberhaften Infekts (und ggf. über Nacht) getragen werden. Meist führen die genannten Beschwerden die Betroffenen in die augenärztliche (Notfall-)Sprechstunde, erklärt Dr. Hans-Walter­ Roth vom Institut für wissenschaftliche Kontaktoptik in Ulm gegenüber Medical Tribune.

Dem Augenarzt bietet sich durch die Spaltlampe das folgende Bild: Die Linsenoberfläche ist ausgetrocknet, die Beweglichkeit der Linse deutlich eingeschränkt. In schweren Fällen klebt sie auf der Hornhaut fest und bewegt sich weder beim Lidschlag noch beim Schließen des Lids. Aufgrund der Reizung erscheinen die Gefäße der Bindehaut deutlich erweitert, in dem Bereich zwischen Linsenrückseite und Hornhautvorderseite sind Schleimablagerungen zu sehen, mitunter auch Gasbläschen.

Bei jedem Anstieg der Körpertemperatur ist immer auch das Auge gefährdet, erinnert der Experte. Das gilt für bekannte Infektionskrankheiten wie der Influenza, aber auch für Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Bei an COVID-19 Erkrankten wurden mitunter Körpertemperaturen von bis zu 41 °C gemessen, selbst am Auge sind Temperaturen bis über 40 °C möglich.

Das kann vor allem Kontaktlinsenträgern zum Verhängnis werden. Denn sie sind auf einen quantitativ und qualitativ ausreichenden Tränenfilm angewiesen, der das Gleiten der Linse ermöglicht und die Elastizität und Transparenz weicher Linsen erhält. Im Rahmen eines fiebrigen Infekts ist dieser nicht oder nur in stark verringertem Maße vorhanden – und es kommt zu dem beschriebenen Beschwerdebild.

Sitzt die Linse einmal fest, sind Vorsicht und Fingerspitzengefühl gefragt. Zuallererst gilt es, das Auge ausreichend zu benetzen – sonst drohen großflächige Hornhautdefekte.

Am besten eignen sich hierfür künstliche Tränenflüssigkeit oder sterile physiologische Kochsalzlösung. Diese sollte man so lange in den unteren Tränensack träufeln, bis sich die Kontaktlinse beim Lidschlag wieder mitbewegt, erklärt der Ulmer Augenarzt. Das Entfernen versucht man am besten ohne Instrumente, indem man die Linse über die Unterlidkante schiebt.

Wichtig hierbei ist steriles Arbeiten. Bei COVID-19-Patienten ist zusätzlich an die entsprechende Schutzkleidung zu denken.

Zur Nachsorge sollte der Patient eine antibiotisch wirkende Salbe oder entsprechende Tropfen erhalten – verbunden mit der dringenden Empfehlung, in Zukunft bei Fieber auf das Tragen von Kontaktlinsen zu verzichten.

Medical-Tribune-Bericht


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