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Lebenserwartung Der präzise Blick in die Glaskugel

Autor: Bianca Lorenz

Die Antworten der Wissenschaftler werden immer genauer. Die Antworten der Wissenschaftler werden immer genauer. © Maridav – stock.adobe.com
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Wann uns die letzte Stunde schlägt, hängt von vielen Faktoren ab. Rein biologisch kann man aber genaue Aussagen treffen. Altersbezogene Blutmarker und Lebensstil-Faktoren zusammen, haben eine hohe Vorhersagekraft. Doch welche sind das?

Das Geburtsdatum eines Menschen sagt weniger über seine Lebenserwartung aus als das biologische Alter. Doch erst die Kombination aus Lebensgewohnheiten und bestimmten Serum-Biomarkern macht es möglich, recht genaue Vorhersagen über das zu mögliche Lebensalter zu errechnen. Das haben jetzt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) herausgefunden.

Selbst verschuldete Verkürzung

Auch wenn viele Patienten meinen, dass allein die Medizin ihr Leben retten könne – und müsse –, so belegen zahlreiche Studien, dass der Mensch selbst sein größter Feind ist, wenn es um die Verknappung der eigenen Lebenszeit geht.

Wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sein können, haben Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) bereits vor einigen Jahren präzise ermittelt: Menschen, die alle Empfehlungen zur Gesundheitsprävention beherzigen, leben bis zu 17 Jahre länger als Zeitgenossen mit sehr ungesunden Lebensgewohnheiten. Umgekehrt müssen beispielsweise Männer mit den ungesündesten Lebensgewohnheiten und einem ungünstigen Biomarker-Profil mit einem voraussichtlichen Verlust von über 22 Lebensjahren rechnen.

Keine Unbekannten

Natürlich hängt das biologische Altern nicht nur von diesen beeinflussbaren Lebensstilfaktoren ab. Auch sozioökonomische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso die individuelle genetische Ausstattung. Und so spiegelt sich denn der funktionelle biologische Abbau in einer Vielzahl an Blut-Biomarkern wider. „Wir wollten nun wissen, ob wir die Lebenserwartung noch präziser vorhersagen können, wenn wir zusätzlich geeignete Serum-Biomarker bestimmen“, berichtet Rudolf Kaaks, Epidemiologe am DKFZ.

Dabei handelt es sich um relevante physiologische Indikatoren für verschiedene Aspekte des biologischen Alterns. Der Growth differentiation factor 15 (GDF-15) zeigt oxidativen Stress, Entzündungen und Mitochondrien-Fehlfunktion an, der Cystatin C-Spiegel gibt Hinweis auf die Nierenfunktion und NT-proBNP zeigt Herzschäden an. Erhöhte Werte des „Glykohämoglobin“ HbA1c signalisieren Diabetes und ungesunden Stoffwechsel, das C-reaktive Protein CRP ist ein Marker für systemische Entzündung.

Männer im Nachteil

Für die aktuelle Untersuchung konnten die DKFZ-Epidemiologen auf die Blutproben der Heidelberger EPIC-Teilnehmer zugreifen – eine Studienkohorte von über 25.000 Menschen mittleren bis höheren Lebensalters in ganz Europa. An ihnen erforscht man seit über 20 Jahren den Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs . 2.571 Teilnehmer waren zum Ende der Nachbeobachtungsperiode (2014) verstorben.

Das DKFZ-Team ermittelte für alle Studienteilnehmer ein Profil von lebensstilbezogenen Risikofaktoren (Rauchen, Body Mass Index, Hüftumfang, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Diabetes, Bluthochdruck). Berücksichtigten die Forscher allein dieses Profil, so lag die Lebenserwartung von Männern mit dem günstigsten Profil 16,8 Jahre höher als die von Studienteilnehmern mit den ungesündesten Lebensgewohnheiten. Bei den Frauen betrug dieser Unterschied nur 9,87 Jahre.

Wurden zusätzlich zum Lebensstil die Serummarker einberechnet, so ergab sich eine Differenz von 22,7 Lebensjahren zwischen Männern mit den ungünstigsten Werten gegenüber der günstigsten Gruppe. Bei den Studienteilnehmerinnen betrug diese Differenz 14 Jahre.

„Der voraussichtliche Verlust an Lebenserwartung ist ein geeigneter und leicht verständlicher Messwert, den beispielsweise Ärzte nutzen können, um ihre Patientinnen und Patienten zu motivieren, ungesunde Gewohnheiten aufzugeben. Auch könnten damit Menschen mit besonders hohen gesundheitlichen Risiken identifiziert werden, die von direkten Interventionen profitieren könnten“, erklärt Erstautor Bernard Srour. „Durch die Kombination von Lebensstilfaktoren plus Serummarkern kann die Vorhersagekraft für die Lebenserwartung noch weiter verbessert werden.“

Quelle: Pressemitteilung vom DKFZ

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