Anzeige

Alkoholismus Der richtige Zeitpunkt für die Lebertransplantation

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Manche Experten stehen einer frühen Lebertransplantation bei Alkoholkranken skeptisch gegenüber, wenn diese noch trinken. Manche Experten stehen einer frühen Lebertransplantation bei Alkoholkranken skeptisch gegenüber, wenn diese noch trinken. © iStock/KatarzynaBialasiewicz
Anzeige

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Lebertransplantation bei alkoholkranken Patienten? Und ist eine sechsmonatige Abstinenz vor dem Eingriff wirklich notwendig? Zu diesen Fragen gibt es jetzt Zahlen.

Üblicherweise erhalten Alkoholkranke eine neue Leber erst, wenn die alte ganz am Ende und der Patient seit mindestens sechs Monaten trocken ist. Möglicherweise ist der Eingriff aber schon bei einer schweren alkoholbedingten Hepatitis erfolgreich, schreiben Prof. Dr. Alexandre­ Louvet­ vom Centre Hospitalier Universitaire de Lille und seine Kollegen.

278 Kranke wurden in die Studie aufgenommen:

  • 102 Patienten mit schwerer alkoholbedingter Hepatitis, die auf Medikamente nicht ansprachen und die aufgrund eines von den Medizinern entwickelten Algorithmus für eine frühe Lebertransplantation infrage kamen (1)
  • 47 Patienten im gleichen Erkrankungsstadium, bei denen die frühe Transplantation nicht aussichtsreich erschien (2)
  • 129 Patienten mit Leberzirrhose und Alkoholabstinenz seit mindestens sechs Monaten (3)

In Gruppe 1 erhielten 68 Patienten ein neues Organ, in Gruppe 3 waren es 93. Im Hinblick auf die Alkohol­abstinenz in den folgenden zwei Jahren schnitt Gruppe 3 besser ab: Nur jeder Vierte begann erneut zu trinken, in Gruppe 1 war es gut jeder Dritte (25 % vs. 34 %). Auch ein starker Konsum (≥ 30 g bei Männern, ≥ 20 g bei Frauen) fand sich bei den früh Transplantierten häufiger (22 % vs. 5 %), wirkte sich aber nicht auf die Sterberate aus (12 % vs. 10 %). Außerdem betrug in Gruppe 1 das Sterberisiko nur etwa ein Viertel des Risikos in Gruppe 2.

Manche Experten stehen einer frühen Lebertransplantation bei Alkoholkranken skeptisch gegenüber, wenn diese noch trinken: Sie fürchten die „Verschwendung“ der ohnehin knappen Organe. Diese Sorge scheint nicht gerechtfertigt. Denn unabhängig von einer vorangegangenen Abstinenz lebten früh und spät Transplantierte nach der OP gleich lang.

Quelle: Louvet A et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2022; DOI: 10.1016/S2468-1253(21)00430-1

Anzeige