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Nierenkrebs und Urothelkarzinom Diskrepanzen zwischen Daten von RKI und Registern

DGHO 2021 Autor: Birgit-Kristin Pohlmann

Nicht nur die verwendete Klassifikation erklärt die unterschiedlichen Daten zu RCC und UC. Nicht nur die verwendete Klassifikation erklärt die unterschiedlichen Daten zu RCC und UC. © iStock/sorbetto
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In der nicht-interventionellen prospektiven Registerstudie VERSUS dokumentieren Uro-Onkologen die ambulante Behandlung von Patienten mit urogenitalen Tumoren und generieren praxisnahe Daten für die Versorgungsforschung in Deutschland. Die aktuellen Daten zum Nierenzell- und zum Urothelkarzinom zeigen Abweichungen zu den Daten des RKI und weisen auf Schwächen bei der RKI-Datenerhebung hin.

VERSUS steht für VERSorg­UngsStudie und ist ein Projekt des Vereins der Deutschen Uro-Onkologen, kurz d-uo. An der nicht-interventionellen, prospektiven und multizentrischen Registerstudie nehmen mehrheitlich niedergelassene Urologen teil. Ziel ist es, durch eine standardisierte Dokumentation und deskriptive statistische Auswertung der anonymisierten Daten uro-onkologischer Patienten die Versorgungsqualität zu erfassen und ggf. zu verbessern, erläuterte Privatdozent Dr. Manfred Johannsen­, Urologische Facharztpraxis und d-uo-Vorstand, Berlin.1

Die Dokumentationsplattform diene dazu, die gesetzlich vorgeschriebene Meldung an das Krebsregister zu ermöglichen und werde gleichzeitig in einem automatisierten Prozess dazu genutzt, die Daten in die Versorgungsdatenbank von d-uo zu überführen. Bislang wurden in der VERSUS-Basisstudie 10.079 Patienten mit einem urogenitalen Tumor registriert, darunter 790 Patienten mit RCC (7,8 %). Auffällig sei, dass dieser Anteil deutlich niedriger liegt als vom RKI mit 13,6 % ausgewiesen. Allerdings stammten die RKI-Daten aus 2016, so Dr. ­Johannsen.

RKI-Klassifikation basiert auf UICC statt TNM

Diskrepanzen mit den RKI-Daten zeigten sich auch bei der Stadienverteilung. Diese erfolge beim RKI anhand der UICC-Klassifikation, die allerdings im klinischen Alltag der TNM-Klassifikation gewichen sei. Für den Datenvergleich mit dem RKI wurden daher die nach TNM klassifizierten Stadien von VERSUS in die UICC-Klassifikation übertragen. Laut d-uo-Daten Stand August 2021 entfallen nach UICC-Klassifikation fast doppelt so viele Patienten auf das Stadium T1 und weniger als die Hälfte auf das Stadium T4 oder M1 im Vergleich zu den RKI-Daten (67 % vs. 34 % bzw. 9 % vs. 21 %).

Vergleicht man die Daten aus VERSUS mit denen aus SEER (> 87.000 RCC-Patienten: T1–4 N0/xM0; Stand 2021), ergibt sich dagegen nach TNM-Klassifikation eine hohe Übereinstimmung bei der Stadienverteilung mit einem jeweils hohen Anteil früher Stadien (T1a/b > 70 %). Dies deute darauf hin, dass die VERSUS-Daten repräsentativ seien, erklärte der Referent.

Erste Daten zur Tumordiagnose zeigten, dass fast 30 % aller RCC-Patienten bei Diagnosestellung symptomatisch sind: Unabhängig von der Klassifikation waren in den frühen Stadien UICC I bzw. T1a/bN0M0 Frauen häufiger symptomatisch als Männer, während es im fortgeschrittenen Stadium z.B. UICC IV bzw.T1–4 N0–3M1 umgekehrt war. Zudem erhielten Männer häufiger in fortgeschrittenen Stadien ihre Diagnose. Keine relevanten geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigten sich bei den asymptomatischen Patienten. Zum Schluss appellierte Dr. Johannsen an die Kollegen, bei dem Register d-uo UroNAT mitzumachen. Informationen bietet die Seite d-uo.de/studien

Oberflächiger Urothelkrebs nicht abgebildet

Das Urothelkarzinom (UC) ist mit 2.533 registrierten Patienten und 25,1 % die zweithäufigste uro-genitale Tumorentität der d-uo-Datenbank nach dem Prostatakarzinom mit 62,4 %, erläuterte Dr. Jörg Klier, Urologie Bayenthal, Köln.2 Auch beim UC fallen Diskrepanzen hinsichtlich der Stadienverteilung zwischen d-uo- und RKI-Daten auf, betonte Dr. Klier. Während das oberflächige UC (Ta, Cis) laut VERSUS gut 50 % der UC ausmacht, wird dieses Stadium im RKI-Datensatz prozentual nicht abgebildet.

Den Grund hierfür sieht der Kollege in der vom RKI verwendeten UICC-Klassifikation. Das Problem sei, dass das oberflächige UC darin nicht vorgesehen sei und damit „automatisch“ aus dem Auswertungsraster herausfalle. Da damit gut die Hälfte der an das RKI gemeldeten Daten zum UC nicht abgebildet werden, führe dies zu statistischen Verschiebungen. Das erkläre nicht nur die Diskrepanz der Datensätze, sondern zeige auch, dass die RKI-Daten nicht der klinischen Realität entsprechen. Dies sei ein Problem und müsse sich ändern. 

Quellen:
1.Johannsen M et al. DGHO-Jahrestagung 2021; Abstract V598
2.Klier J et al. DGHO-Jahrestagung 2021; Abstract V597
DGHO-Jahrestagung 2021

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