Einmalhandschuhe werden zu oft und zu lange benutzt

Autor: Michael Brendler

Das Tragen von Handschuhen ist vor allem zum Schutz vor Blut und Sekreten sowie vor sporenbildenden Keimen sinnvoll. © iStock/AndrewRafalsky

Handschuhe sind als Infektionsschutz beliebt in Klinik und Praxis. Was das Erfüllen dieser Aufgabe angeht, werden sie jedoch gerne überschätzt. Und sie werden häufig falsch benutzt. Damit gefährdet der Anwender den Patienten und sich selbst.

Von den Angestellten auf Intensivstationen muss man 87 % laut Umfragen zum Handschuhtragen nicht groß überreden. Dabei geht ein genereller Einsatz der Einmalprodukte, wie Studien belegen, mit einer drastisch gesenkten Frequenz hygienischer Händedesinfektionen und mehr nosokomialen Infektionen einher. Das sei vor allem auch darauf zurückzuführen, dass die Handschuhe in der Mehrzahl der Fälle nicht richtig verwendet werden, mahnen Dr. Melanie Brunke von der Abteilung für Infektionskrankheiten des Robert Koch-Instituts und ihre Kollegen.

Sinnvoll sind sie als Schutz des Trägers vor Blut und Sekreten oder sporenbildenden Keimen wie Clostridioides difficile, denen alkohol-basierte Händedesinfektionsmittel nichts anhaben können. Man beobachtet aber, dass Einmalhandschuhe auch in vielen anderen Situationen und für zu lange Zeiträume ohne Wechsel am Mann bleiben.

„Einmalhandschuhe ersetzen in keinem Fall die hygienische Händedesinfektion“, warnen die Autoren. Ein wichtiger Grund: Häufig kommt es zu Perforationen, die aber laut einer Untersuchung nur in 5,2 % der Fälle bemerkt werden. Die Überzieher müssen vor und nach jedem Patientenkontakt gewechselt werden. Und dabei sind jedesmal die Hände zu desinfizieren. Eine Desinfektion der behandschuhten Hand sehen die Experten nur in ganz seltenen Situationen vor, wenn es ansonsten zur massiven Störung des Arbeitsflusses käme. Und in solchen Fällen gilt es zu beachten, dass sich Kunststoff und Desinfektionsmittel nicht immer vertragen.

Der Anwender selbst bringt sich ebenfalls in Gefahr: Zum einen kommt es beim Ausziehen in 24–44 % der Fälle doch noch zu einer Kontamination seiner Hände, zum anderen führt zu langes Anbehalten zur Schädigung der Haut und damit oft zu Ekzemen.

Grundsätzlich sollten Handschuhe zum Beispiel zum Ankleiden oder Baden eines Patienten nicht getragen werden, schließlich lösen sie auch manchmal das Gefühl der Stigmatisierung aus. Eine Ausnahme lassen Dr. Brunke und ihre Kollegen gelten: Wenn sie Patient und Pflegepersonal helfen, besser mit Eingriffen in die Intimsphäre umzugehen. Herumgesprochen hat sich das bisher allerdings selten, deshalb fordern die Autoren: „Aus unserer Sicht besteht Bedarf an intensivierten Schulungen, die den korrekten Einsatz von Einmalhandschuhen in den Mittelpunkt stellen.“ 

Quelle: Brunke M et al. Epid Bull 2019; 19: 161-164