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Pädiatrische Erkrankungen Eltern und Mediziner beurteilen Symptome bei Kindern unterschiedlich

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Wissenschaftler fanden erhebliche Unterschiede zwischen den Eltern und den Medizinern. Die Wissenschaftler fanden erhebliche Unterschiede zwischen den Eltern und den Medizinern. © iStock/Smitt
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Kranke Kinder versetzen Mütter und Väter – gelegentlich auch Ärzte – schnell mal in Panik. Es sind aber nicht die gleichen Symptome, die Eltern und Mediziner ins Schwitzen bringen.

Das Team um Sarah Visscher von der Pädiatrie am Spaarne Gasthuis, Haarlem und Hoofddorp, wollte herausfinden, was Eltern dazu bringt, mit ihrem kranken Kind medizinische Hilfe zu suchen. Die Forscher haben dazu vier fiktive Krankheitsfälle an ebenso fiktiven Sechsjährigen zusammengestellt:

  • eine Appendizitis,
  • eine Otitis,
  • ein Hirntumor oder
  • eine septische Arthritis

Dann präsentierten sie 200 Eltern und 54 Ärzten (36 Allgemeinmediziner, 18 Kinderärzte) in entsprechenden Fragebogen zunächst ein Frühsymptom – Bauchschmerzen, Rhinitis, Kopfschmerzen und Hinken. Und allmählich ließen die Autoren die erdachten Zwerge immer kranker werden. Zum Erstsymptom gesellten sich aufeinander folgende:

  • bei Appendizitis: Appetitlosigkeit, erstmaliges Erbrechen, Weinen, erneutes Erbrechen, rechtsseitige Unterbauchbeschwerden und schließlich zunehmende Schmerzen, immer ohne Fieber
  • bei Otitis: Fieber (38 °C), nachlassende Reaktionen, ansteigendes Fieber (39 °C), Bauchschmerzen, noch höheres Fieber (40,2 °C) und starke Ohrenschmerzen
  • beim Hirntumor: Erbrechen, starke Kopfschmerzen, Benommenheit, Doppelbilder, Meningismus und Ataxie
  • bei septischer Arthritis: Weigerung, beide Beine zu belasten, Fieber (38 °C), Appetitverlust, starke Schmerzen im betroffenen Bein, ansteigendes Fieber (39 °C) und Benommenheit

Dann fragten die Forscher zum einen die Eltern, ab wann sie bei den genannten Beschwerden einen Arzt aufsuchen würden, und zum anderen die Mediziner, ob sie das jeweils genauso beurteilen (Arztbesuch notwendig/nicht notwendig).

Die Wissenschaftler fanden erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen: So waren Eltern bei Bauchschmerzen besorgter und eher auf dem Weg in die Praxis als bei allen anderen Erstsymptomen. Im Verlauf sagten immer mehr Mütter oder Väter, dass ein Arztkontakt notwendig sei, vor allem bei Appetitverlust und steigenden Temperaturen über 39 °C. Auf Erbrechen reagierten sie unterschiedlich: In Kombi mit Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit wollten sie eher zum Doktor als wenn das Erbrechen bei Kopfschmerzen auftrat. Nach mehrmaligem Erbrechen wurden zunehmend mehr Eltern nervös.

Echte Alarmzeichen nehmen Eltern oft nicht als solche wahr

Bei Bauchschmerzen und Hinken unterschieden sich die Meinungen der beiden Gruppen nicht signifikant. Wanderten die abdominellen Beschwerden nach rechts unten, hielten dann aber fast alle Profiseine Konsultation für notwendig, im Vergleich zu 86 % der Eltern. Bei fiebernden Kindern blieben Ärzte zurückhaltender, während der vorgestellte Kopfschmerzverlauf Mediziner eher unruhig werden ließ als Mütter/Väter.

Eltern nehmen echte Alarmzeichen wie z.B. Benommenheit bei ihren kranken Kindern oft nicht rechtzeitig als solche wahr, betonen die Forscher. Dagegen veranlassen so manche harmloseren Beschwerden Mütter und Väter, rasch Hilfe zu suchen. Mediziner sollten sich dessen bewusst sein und konkret über „Red Flags“ aufklären. Ebenso könnten kommunale Initiativen die Gesundheitskompetenz von Eltern verbessern.

Quelle: Visscher S et al. Arch Dis Child 2022; DOI: 10.1136/archdischild-2021-323504

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