
Neue Daten zur Emphysemtherapie Emphysem: Volumenreduktion zeigt Systemwirkung

Patientinnen und Patienten mit COPD, die bereits an einem fortgeschrittenen Lungenemphysem und Hyperinflation leiden, haben häufig extrapulmonale Komorbiditäten. Dazu zählen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und neuropsychiatrische Störungen. Zeigt eine optimierte medikamentöse Behandlung keine ausreichende Wirkung, kann in ausgewählten Fällen eine chirurgische oder bronchoskopische Verkleinerung des Lungenvolumens erwogen werden. Doch welche Auswirkungen kann ein solcher Eingriff auf andere Organsysteme haben? Dieser Frage sind Forschende um Dr. Else ter Haar von der Universität Groningen im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit nachgegangen.
Nachbeobachtungszeit betrug mindestens einen Monat
Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 85 Publikationen ausgewertet, in denen die Nachbeobachtungszeit einen Monat und mehr betrug. Als weitere Voraussetzung für die Auswahl einer Studie legten sie fest, dass mindestens einer von neun vordefinierten extrapulmonalen Bereichen untersucht worden war. Bei 63 % der eingeschlossenen Publikationen handelte es sich um prospektive, bei 21 % um retrospektive und bei 11 % um randomisierte, kontrollierte Studien. Das Studiendesign der übrigen 5 % war nicht bekannt. Insgesamt hatten sich drei Viertel der Teilnehmenden einer chirurgischen Lungenvolumenreduktion unterzogen.
Die Analysen ergaben, dass eine Reduzierung des Lungenvolumens positive Auswirkungen auf verschiedene extrapulmonale Bereiche haben kann. Die stärksten Effekte wurden hinsichtlich der Atemmuskelkraft, des Atemantriebs, der Zwerchfellmorphologie und des Body-Mass-Index festgestellt. Zudem fanden sich Hinweise auf Verbesserungen in Bezug auf Körperzusammensetzung, Inflammation, oxidativen Stress, Angst, Depression und Mineraldichte der Knochen.
Bei Herzfunktion und pulmonal-arteriellem Druck ließ sich kein positiver Effekt nachweisen, es wurde aber auch keine signifikante Verschlechterung beobachtet. In den Bereichen Kognition, Schlaf und periphere Muskelfunktion reichte die Evidenz nicht aus, um den Einfluss einer Lungenvolumenreduktion zu bestimmen.
Bei Patientinnen und Patienten mit schwerem Emphysem und Hyperinflation führt die Verkleinerung des Lungenvolumens extrapulmonal zu einer Reihe von positiven Effekten, heißt es im Fazit der Studie. Die Autorinnen und Autoren verweisen außerdem darauf, dass sich eine Volumenreduktion nicht nachteilig auf den pulmonal-arteriellen Druck oder die Herzleistung auswirkt. Deshalb sollten ihrer Meinung nach entsprechende Kontraindikationen in der Praxis überdacht werden.
Quelle: Ter Haar EAMD et al. Eur Respir Rev 2025; 34: 240258; doi: 10.1183/16000617.0258-2024