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Erhöhtes Invaginationsrisiko nach Rotavirusimpfung

Autor: Barbara Kreutzkamp

Bei der ersten Dosis der Rotavirus-Impfung zeigt sich ein erhöhtes Risiko für Invaginationen. Bei der ersten Dosis der Rotavirus-Impfung zeigt sich ein erhöhtes Risiko für Invaginationen. © iStock/Hailshadow
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Den Schutz vor Rotaviren erhält man zum Preis eines erhöhten Risikos für Darmeinstülpungen. Dass der Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Invaginationen bei Kleinkindern real ist, bestätigt eine aktuelle Studie.

Säuglinge sollten routinemäßig gegen Rotaviren geimpft werden. So lautet die seit 2013 gültige Empfehlung der STIKO. Seitdem belegen Studien einen deutlichen Rückgang vor allem bei den rotavirusassoziierten Hospitalisierungen von Kleinkindern. Die Daten weisen aber immer wieder auch auf ein erhöhtes Risiko für Invaginationen vor allem nach der ersten Impfung hin.

Eine in Deutschland durchgeführte retrospektive multizentrische Fall-Kontrollstudie mit den beiden hier zugelassenen Lebendimpfstoffen hat nun die erhöhte Invaginationsgefahr bei Kleinkindern bis zu einem Jahr für die erste Impfdosis bestätigt. In der Untersuchung mit insgesamt 116 Invaginationsfällen und 272 gematchten Kontrollen lag die adjustierte Odds Ratio bei 5,7. Das Risiko war bis zu 42 Tage nach der ersten Dosis noch erhöht. Das Alter zum Impfzeitpunkt spielte keine Rolle, ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Präparaten war nicht erkennbar.

Kein erhöhtes Risiko ergab sich dagegen nach der zweiten und dritten Dosis. Auch die Gesamtwahrscheinlichkeit für eine Invagination bis zum Ende des ersten Lebensjahrs nach jeder Dosis war nicht erhöht. Das stützt die These, dass die „überzähligen“ Invaginationsfälle, die der ersten Impfdosis zugeschrieben werden können, möglicherweise bis zum Ende des ersten Lebensjahrs kompensiert werden, diskutieren die Autoren. Es könnte also sein, dass die Dosis 1 lediglich den Zeitpunkt einer Invagination bei vulnerablen Kindern vorverlegt und damit eher das Timing als das Risiko einer Einstülpung beeinflusst.

Positive Familienanamnese als weiterer wesentlicher Faktor

Insgesamt liegt die Invaginationsinzidenz bei den unter Einjährigen in Deutschland bei 61,7/100 000 Personenjahre. Als weiteren Risikofaktor für eine Darmeinstülpung ergab die Studie mit einer adjustierten Odds Ratio von 3,26 eine positive Familienanamnese. Daher könnte es sinnvoll sein, vor der Impfung nach entsprechenden Vorkommnissen bei Familienangehörigen zu fragen und den Eltern zu erhöhter Wachsamkeit zu raten, schreiben die BfArM-Experten. Bei plötzlichen krampfartigen Bauchschmerzen, Einnehmen einer Schonhaltung mit Anziehen der Beine und evtl. Blässe des Kindes sollte unverzüglich der Kinderarzt um Rat gefragt werden.

Als signifikanter Schutzfaktor erwies sich das Stillen (adjustierte Odds Ratio 0,54). Hierauf hatten vorige Studien bereits hingewiesen.

Quelle: Oberle D et al. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2020; 2: 10-19

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