Gestagenimplantat wanderte in die Lunge

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Verhütungsimplantat auf Reisen: Ein Hormonstäbchen sollte eigentlich fest im Arm verankert sein. © wip-studio – stock.adobe.com

Eine Frau hat seit drei Monaten unklare Blutungen. Als Ursache kommt das implantierte Kontrazeptivum infrage. Aber es ist verschwunden.

Die 31-Jährige nutzt seit vielen Jahren das subkutan im nicht dominanten Arm platzierte Gestagenimplantat zur Verhütung und kommt auch immer pünktlich zum Wechsel. Als die Kollegen es aufgrund der Blutung herausnehmen wollen, finden sie es nicht mehr.

Im Ultraschall stellt sich das kleine Stäbchen auf Höhe des linken unteren Rippenbogens dar. Die CT zeigt dann: Es sitzt im unteren Lungenlappen. Die junge Frau kommt direkt in die Herz-Thoraxchir­urgie, wo der Fremdkörper thorakoskopisch entfernt wird. Postoperativ erholt sich die Patientin schnell und darf vier Tage später nach Hause.

Eine Migration dieses 4 cm langen und 2 mm dicken Verhütungs­implantates in die Lunge stellt eine Rarität dar, schreiben Dr. Mariana Carlos-Alves, Gynaecology and Obstetrics, Unidade Local de Saúde do Alto Minho EPE, Viana do Castelo, und Kollegen. Generell gelten als Risikofaktoren für die Wanderung das zu tiefe Einpflanzen, wodurch das Objekt Anschluss an die Gefäße finden kann, oder kräftige sportliche Aktivitäten.

Lässt es sich nicht mehr tasten, sollte ein Ultraschall der umgebenden Weichteile und ggfs. ein Röntgen-Thorax erfolgen. Glücklicherweise enthält das Stäbchen etwas Bariumsulfat und ist somit im koventionellen Röntgen sichtbar.

Quelle: Carlos-Alves M et al. BMJ Case Reports 2019; 12: pii: e230987; DOI: 10.1136/bcr-2019-230987