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Gewitter verursachen akute Atemwegsprobleme bei älteren Menschen

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Am Tag vor einem Gewitter verzeichneten die Kliniken den größten Zuwachs an Patienten, die wegen akuter Atemwegsprobleme in die Notfallaufnahmen mussten. Am Tag vor einem Gewitter verzeichneten die Kliniken den größten Zuwachs an Patienten, die wegen akuter Atemwegsprobleme in die Notfallaufnahmen mussten. © iStock/Say-Cheese
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Vor einem Gewitter häufen sich die atemwegsbedingten Notfälle bei älteren Menschen. Besonders betroffen sind Asthmapatienten und COPD-Kranke.

Mit den global steigenden Temperaturen wird es künftig häufiger Gewitter geben. Für ältere Menschen und für Patienten mit chronischen respiratorischen Erkrankungen dürfte das ernste Folgen haben, warnen Wissenschaftler.

Dass es wegen Unwettern zu mehr Atemwegsnotfällen kommt, zeigten Dr. Eric Zou von der University of Oregon in Eugene und Mitarbeiter mit einer retrospektiven Auswertung von Krankenakten und Wetterdaten. Dazu wertete die Gruppe über einen Zeitraum von 14 Jahren hinweg die Konsultationen von mehr als 46 Millionen US-Amerikanern über 65 Jahre in den Notfallaufnahmen der Kliniken aus. In dieser Zeit waren mehr als 820 000 heftige Gewitter über das Land gezogen.

Den Wetteraufzeichnungen zufolge stiegen die Temperaturen kurz vor den Gewittern merklich an und gingen während der Unwetter sowie kurz danach deutlich zurück. Ähnlich sah es bei den Feinstaubkonzentrationen aus. Die Pollenbelastung und der Stickstoffdioxidgehalt der Luft indes blieben vor dem Donnerwetter unverändert und fielen danach etwas ab, ebenso die Ozonwerte und die Konzentrationen von Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid.

Am Tag vor einem solchen Wetterereignis verzeichneten die Kliniken den größten Zuwachs an Patienten, die wegen akuter Atemwegsprobleme in die Notfallaufnahmen mussten. Im Vergleich zum Ausgangsniveau kamen an diesen Tagen im Durchschnitt 1,8 zusätzliche Patienten pro eine Million Menschen. Unter den Patienten mit Asthma gab es 6,3 Fälle mehr, mit COPD 6,4. Bei denjenigen, die sowohl an Asthma als auch an COPD litten, waren es sogar 9,4 zusätzliche Konsultationen.

Analysierte man drei oder mehr Tage um das Gewitter herum, ergaben sich pro eine Million Senioren 5,3 extra Notfälle wegen Atemwegssymptomen. Bei Asthmakranken gab es 22,6 mehr Ereignisse, bei COPD-Patienten 22,4. Unter denen mit beiden Erkrankungen nahm die Zahl um 33,8 zu. Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass die höheren Temperaturen und gestiegene Feinstaubkonzentrationen kurz vor den Unwettern die wesentlichen Treiber für die akute Verschlechterung der Atemwegssymptomatik bei den älteren Patienten sind.

Quelle: Zou E et al. JAMA Internal Med 2020; e201672; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.1672

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