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Golf: Profis und ambitionierte Hobbyspieler riskieren repetitive traumatische Diskopathie

Autor: Dr. Sascha Bock

Die moderne Schlagtechnik im Golf verlangt dem Rücken alles ab. Die moderne Schlagtechnik im Golf verlangt dem Rücken alles ab. © iStock.com/Kasipat
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Wer den Golfschläger schwingt, kann sich genauso gut von einem Football-Spieler rammen lassen. Derart groß ist mitunter die Kraft, die auf die Wirbelsäule wirkt. Kein Wunder, dass Experten das Spiel als Kontaktsport bezeichnen und auf degenerative Schäden aufmerksam machen.

Nach drei Eingriffen an der lumbosakralen Wirbelsäule kehrte der Profigolfer Tiger Woods letztes Jahr auf den Platz zurück. „Endlich schmerzfrei“ schwang er das Eisen bei seinem Comeback mit einer Spitzengeschwindigkeit von 207 km/h. Um den Schlägerkopf so zu beschleunigen, ist zunächst eine maximale Rotation des Thorax gegenüber der Hüfte notwendig. Das langsame Ausholen und die folgende explosionsartige Bewegung hinterlassen offenbar nicht nur am Stützapparat der Sportler Spuren.

Ausgeprägte Rumpfmuskeln erhöhen den Druck

Etwa jeder zweite Profi- und jeder dritte Hobbygolfer leidet unter Rückenproblemen, schreiben der Neurochirurg Dr. Corey T. Walker­ vom St. Joseph’s Hospital and Medical Center in Phoenix und Kollegen. Immer mehr Jungprofis klagen über tief sitzende Schmerzen, sie entwickeln degenerative Schäden früher als die Allgemeinbevölkerung. Die Autoren führen das auf die moderne Trainings- und Schlagtechnik zurück.

Wie inzwischen bei vielen Sportarten üblich, rückt das Krafttraining beim Golf in den Fokus – besonders die Stärkung der Rumpfstabilität. Eine ausgeprägte Muskulatur sorge zwar für mehr Power. Gleichzeitig jedoch erhöhe sie den Druck auf die Wirbelsäule, vermuten die Experten. Elektromyographische Messungen zeigen zudem, dass die lumbale autochtone Muskulatur von Golfern mit Kreuzschmerzen während des Durchschwingens früher kontrahiert als die von asymptomatischen Sportlern.

Multiple subklinische Mikrozerrungen

Die jahrelange einseitige Belastung verursacht multiple subklinische Mikrozerrungen an Bandscheiben­ und spinalen Bändern. Bei im Schnitt mehr als 300 Schlägen täglich summiert sich das zu einem durchaus relevanten Langzeiteffekt.

Dr. Walker­ und seine Kollegen sehen in ihrer Klinik zahlreiche junge Profis mit dieser repetitiven traumatischen Diskopathie, wie die Erkrankung genannt wird. Ein 22-jähriger Patient erlitt sogar einen Diskusprolaps mit Kompression der Nervenwurzel.

Training für mehr Flexibilität in Hüfte und Wirbelsäule

In der Bildgebung finden sich bei Golfern mit Rückschmerzen mitunter asymmetrische degenerative Veränderungen im Lendenwirbelbereich. Solche einseitigen osteophytären Anbauten unterstützen die pathogenetische Rolle des „Crunch“ (engl. Knirschen), also der Kräfte, die durch schnelle Rotation und laterale Flexion auf die untere Wirbelsäule wirken. Alleine mit einem ausgeprägten Knirschen ließen sich die Beschwerden in Studien aber bislang nicht erklären.

Sofern keine neurologischen Ausfallerscheinungen bestehen, kommen zunächst konservative Behandlungen zum Einsatz. Golfspezifische Trainings- und Rehaprogramme können die Symptome einiger Patienten bessern. Die Übungen sollen vor allem mehr Flexibilität in Hüfte und Wirbelsäule bringen. Die Autoren hoffen, dass ein besseres Verständnis der Krankheit dabei hilft, betroffenen Sportlern künftig eine spezialisierte Therapie anbieten zu können.

Quelle: Walker CT et al. J Neurosurg Spine 2019; online first

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