Helicobacter pylori: Magenkeim unter Parkinsonverdacht

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Kein Hirngespinst: Helicobacter-pylori-Infektionen und Morbus Parkinson hängen zusammen. Wie genau, muss noch geklärt werden. © iStock.com/JuSun

Parkinson-Patienten geht es besser, wenn sie nicht mit Helicobacter pylori infiziert sind. Der Magenkeim scheint gleich in mehrfacher Hinsicht die Erkrankung negativ zu beeinflussen. Wer das Bakterium durch eine Eradikation wieder los wird, bessert nicht nur seine Symptomatik.

Wie genau es zum Morbus Parkinson mit seinen typischen motorischen Symptomen wie Tremor, posturale Instabilität, Rigor und Bradykinesie kommt, ist bis dato unklar. Eine familiäre Häufung findet sich nur bei einem kleinen Teil der Patienten, die Erkrankung entwickelt sich überwiegend sporadisch. Auffällig ist allerdings, dass den motorischen Dysfunktionen oftmals Magen-Darm-Beschwerden wie Obstipationen oder gastro­intestinale Dysfunktionen vorausgehen. Das deutet darauf hin, dass die Krankheit im Magen beginnen und sich anschließend entlang der Darm-Hirn-Achse auf das Gehirn ausbreiten könnte.

Kausale Rolle durch mehrere Studien gestützt

In den letzten Jahren ist insbesondere der Magenkeim Helicobacter pylori in den Fokus der Wissenschaft geraten. Er könnte auch bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen, schreibt das Team um Professor Dr. David J. McGee vom LSU Health-Sciences Center im US-amerikanischen Shreveport. Gleich mehrere Forschungsergebnisse stützen die Hypothese einer kausalen Rolle des Magenkeims bei der neurodegenerativen Erkrankung.

Dazu gehört beispielsweise die Tatsache, dass Parkinson-Patienten 1,5- bis 3-mal häufiger mit H. pylori infiziert sind als Menschen ohne Parkinson. Auch bei der Symptomatik scheint das Bakterium eine Rolle zu spielen. Helicobacter-Träger weisen eine schlechtere motorische Funktion auf als Patienten ohne den Keim. Parkinsonkranke, die sich einer Helicobacter-Eradikation unterziehen, schneiden motorisch besser ab als Leidensgenossen, die das Magenbakterium behalten. Zudem scheint die Eliminierung des Magenkeims noch einen weiteren günstigen Effekt zu haben: Die Eradikation verbessert die Levodopa-Absorption im Vergleich zu Patienten ohne Eradikation.

Vier Erklärungen kommen in Betracht

Die Mechanismen, die diesen Effekten zugrunde liegen, sind allerdings noch nicht ausreichend verstanden, räumen die US-Forscher ein. Nach ihrer Ansicht kommen vor allem vier Erklärungen für die Assoziation in Betracht:

  • Bakterielle Toxine, die von Helicobacter pylori produziert werden, können Neuronen schädigen.
  • Die Infektion mit dem Magenkeim löst eine massive lokale Entzündungsreaktion aus, die wiederum über die Darm-Hirn-Achse zu einer Neuroinflammation führt.
  • H. pylori kann das intestinale Mikrobiom empfindlich stören.
  • Die Bakterien verringern die gastrointestinale Resorption von Levodopa, das zur Parkinson-Behandlung eingesetzt wird.

Damit ist allerdings noch nicht belegt, dass den Assoziationen zwischen Magenkeim und M. Parkinson wirklich ein kausaler Zusammenhang zugrunde liegt. Die US-amerikanischen Forscher werten die bisherigen Ergebnisse aber als starke Hinweise auf eine mögliche Verbindung, denen in weiteren Studien nachgegangen werden sollte.

Quelle: McGee DJ et al. Journal of Parkinson's Disease 2018; 8: 367-374