Herzerwärmend: Saunieren verlängert das Leben

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Ein Saunagang bringt den Kreislauf in Schwung. © fotolia/BillionPhotos.com

An Ratschlägen für ein gesundes Herz mangelt es wahrlich nicht. Nur die Sauna hat kaum noch jemand auf dem Schirm. Schade, denn sie kann was.

Heute wird die Sauna fast nur noch im Zusammenhang mit Wellness oder Entspannung gesehen. Dabei existieren unzählige Studien, die eine ganze Reihe positiver Effekte auf die Gesundheit belegen.

In erster Linie beeinflusst die Sauna natürlich die Thermoregulation. In der Kabine angekommen, werden sofort die Thermorezeptoren gereizt und es kommt zum „ersten Schweiß“, erklärt Privatdozent Dr. Rainer Brenke, Internist aus Berlin. Um die hart arbeitenden Schweißdrüsen ausreichend zu versorgen, muss die Haut stärker durchblutet werden und so steigt z.B. an den Fingern die Temperatur um mindestens 10 °C.

Die beim Verdunsten des Schweißes entstehende Kälte soll die Kerntemperatur konstant halten. In der Sauna reichen diese Kühlmechanismen aber nicht aus, die Kerntemperatur steigt daher um 1−1,5 °C. Den Anstieg darf man nicht mit Fieber verwechseln, vielmehr ist es eine „aufgezwungene Hyperthermie“ bei gleichbleibendem Sollwert. Trotzdem versucht der Körper, die Überwärmung durch Schwitzen zu verhindern.

„Angst vor Rhythmusstörungen ist weitgehend unbegründet“

Schon nach wenigen Besuchen der finnischen Bäder klettert die Rektaltemperatur nicht mehr so hoch wie bei den ersten Malen, letztlich sinkt die Kerntemperatur dauerhaft sogar um wenige Zehntel Grad ab. Durch solch ein Absinken steigt die Lebenserwartung, denn es entstehen weniger DNA-Brüche. Thermische Reizserien schaffen erfahrungsgemäß eine Reduktion um 0,5 °C, dadurch lassen sich theoretisch fünf Lebensjahre gewinnen. Beginnt man erst im mittleren Lebensalter, sich auf die heißen Bänke zu legen, resultieren laut Dr. Brenke immerhin noch 2−3 Jahre mehr.

Was nun das Herz-Kreislauf-System angeht, gelten günstige Einflüsse auf KHK, Hypertonie und arterielle Durchblutungsstörungen als gesichert. Regelmäßiges Saunieren bessert die Endothelfunktion, fördert die Herzfrequenzvariabilität, reduziert oxidativen Stress und senkt den Blutdruck. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Hyperthermie auch bei Herzinsuffizienz hilft. Eine Untersuchung an Patienten in den Stadien NYHA III und IV zeigte, dass in den Ruhepausen zwischen den Bädern der Noradrenalinspiegel signifikant um 24 % abfällt – das bedeutet weniger Stress fürs Herz.

Schwung für die Arterien

Welche Effekte Saunieren auf die Arterien hat, untersuchte ein Forscherteam an 102 Patienten mit mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor. Nach 30 Minuten Schwitzen waren Pulswellengeschwindigkeit, sy­stolischer und diastolischer Blutdruck, mittlerer arterieller Druck und die Auswurfzeit des linken Ventrikels gesenkt. Die Einflüsse auf den systolischen Druck und die Auswurfzeit waren auch eine halbe Stunde später noch messbar.

Quelle: Lee E et al. Eur J Prev Cardiol 2018; 25: 130-138

In einer weiteren vergleichenden Untersuchung an ähnlich Kranken erlitten im Verlauf von fünf Jahren die Saunagänger halb so oft schwerwiegende kardiale Ereignisse wie Infarkt, Dekompensation oder Tod (31,3 vs. 68,7 %).

In einer dritten Studie schließlich besserte die Überwärmung Auswurfleistung, BNP-Werte und die Ergebnisse im 6-Minuten-Gehtest. Einige Fachleute fürchten, durch die Schwitzbäder Herzrhythmusstörungen zu provozieren. Diese Angst ist weitgehend unbegründet, sagt Dr. Brenke.

Einen Tag ins Schwitzbad, am nächsten Tag trainieren

Herzfrequenzanalysen ergaben weder bei Gesunden noch bei Vorbelasteten eine erhöhte sympathikoadrenerge Aktivität oder ein gesteigertes Risiko für Arrhythmien. Die Leistungsfähigkeit lässt sich durch die Sauna allein nicht erhöhen. Da scheint es auf der Hand zu liegen, die Hitzeanwendung mit einer Bewegungstherapie zu kombinieren. Grundsätzlich kein fal­scher Gedanke, Dr. Brenke warnt nur davor, beides bei bestehendem kardiovaskulärem Risiko unmittelbar hintereinander zu tun. Am besten einen Tag saunieren, am anderen trainieren.

Quelle: Brenke R. internistische praxis 2018; 58: 687-708