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Herzinsuffizienz: Digoxin schadet wohl doch nicht

Autor: Dr. Anne Benckendorff/Dr. Sascha Bock

Das Herzglykosid schadet nicht, macht aber auf eine insgesamt schlechtere Prognose aufmerksam. Das Herzglykosid schadet nicht, macht aber auf eine insgesamt schlechtere Prognose aufmerksam. © syahrir – stock.adobe.com
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Bei Herzinsuffizienten erhöht Digoxin die Mortalität. Oder senkt sie. Oder hat einen neutralen Effekt. Alles Ergebnisse aus Studien. Die Widersprüche lassen sich erklären.

Die einzige große randomisierte Studie zu Digoxin, auf die sich auch Leitlinien beziehen, kam zu dem Ergebnis, dass die Therapie die Hospitalisierungsrate senkt und die Mortalität nicht beeinflusst. Da 44 % der Teilnehmer bereits vor Randomisierung Digoxin einnahmen und ein Teil es folglich absetzen musste, werteten Forscher die Daten nun erneut aus.

Sie verglichen die initial vorbehandelten mit den nicht-vorbehandelten Patienten. Scheinbar schnitt das Glykosid jetzt nicht mehr so gut ab. Sogar nach Adjustierung auf Populationsunterschiede zeigten sich signifikant mehr Todesfälle und Hospitalisationen bei den Vortherapierten.

Behandlung als Indikator für schwere Erkrankung

Schadet das Herzglykosid doch? Nein, denn die Behandlung sollte eher als Indikator für eine schwere Erkrankung und eine insgesamt schlechtere Prognose gesehen werden, schreiben die Autoren. Die erhöhte Mortalität dürfe man nicht auf die Medikation zurückführen.

Die Korrelation ergebe sich aus dem sogenannten Verschreibungs-Bias. Berücksichtigt man, dass der potenzielle Nutzen der meisten Therapien eher moderat ausfällt, könnte das Bias in Observationsstudien diesen kaschieren. Real-World-Daten solle man folglich vorsichtig interpretieren.

Quelle: Aguirre Dávila L et al. Eur Heart J 2019; 40: 3336-3341; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz395

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