Hyperthyreose: Behandlung scheint langfristig die krebsbedingte Mortalität zu erhöhen

Autor: Elisa Sophia Breuer

Durch die Radiojodtherapie kann der Schilddrüse geholfen werden, jedoch steigt gleichzeitig das Risiko an Krebs zu erkranken. © iStock/AlexLMX

Die nuklearmedizinische Therapie der Hyperthyreose gilt als sicher. Doch was der Schilddrüse hilft, könnte anderen Organen schaden. Im Raum steht eine erhöhte Krebsmortalität durch das Jodisotop 131I.

Die Radiojodtherapie nimmt in der Behandlung von Morbus Basedow einen hohen Stellenwert ein. Wissenschaftler um die Epidemiologin Dr. Cari­ M. Kitahara­ vom National Cancer Institute, Bethesda, fanden Hinweise, dass sich dosisabhängig das Risiko für solide Tumoren erhöht, insbesondere für Brustkrebs­.

Knapp 70 Jahre lang wurden Informationen von Hyperthyreose-Kranken aus den USA und Großbritannien in einer großen Datenbank gesammelt. Die Mehrzahl der ca. 18 800 Patienten litt an M. Basedow (93 %) und war weiblich (78 %). Das mittlere Alter bei Eintritt in die Studienkohorte betrug 49 Jahre. Krebs hatte zu diesem Zeitpunkt niemand. In den meisten Fällen wurde eine Kombination aus Radiojodtherapie und Thyreostatika (46,1 %) oder 131I alleine verordnet, nur wenige hat man operiert.

Die eingesetzte Gesamtmenge an radioaktivem Jod entsprach im Schnitt bei Basedow-Kranken 375 Megabecquerel (MBq) und bei Patienten mit Knotenstruma 653 MBq. Während des Follow-ups von durchschnittlich 26 Jahren starben 82,3 %, davon erlagen 15,3 % einem Tumor.

Statistisch gesehen habe man nicht für alle Tumortypen genug Daten gehabt, was bei der Interpretation der Ergebnisse berücksich­tigt werden müsse. Allerdings deutete sich eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung von absorbierter Energie durch das Gewebe und organspezifischer Krebsmortalität an, berichten die Autoren.

19 bis 32 zusätzliche Krebstote pro 1000 Behandlungen

Das betraf vor allem Regionen, die nicht im Zielbereich lagen, sondern bei Aufnahme oder Abbau des Radio­jods der Strahlung ausgesetzt und vermutlich anfälliger waren. Für jede in den Körper abgestrahlte Energiedosis von 100 Milligray (entspricht einer Therapie mit 243MBq), stieg das relative Risiko, an einem soliden Tumor zu sterben, im Modell der Wissenschaftler um 6 %. Separat betrachtet erreichte nur das relative Risiko für ein letales Mammakarzinom Signifikanzniveau, es nahm bei 100 mGy Belastung für das Brustgewebe (≅ 266 MBq) 12 % zu.

Das derzeitige Therapieregime sieht bei Basedow eine Dosis von bis zu 555 MBq vor, was auch die Energiebelastung für den Körper auf 150–250 mGy steigen lässt. Behalten die Kollegen recht, würde eine solche Strahlenbelastung pro 1000 Patienten, die man als 40-Jährige behandelt, vermutlich zu 19 bis 32 zusätzlichen Krebstoten führen. Das sollte man auf jeden Fall bei der individuellen Therapieentscheidung berücksichtigen, meinen die Autoren.

Quelle: Kitahara CM et al. JAMA Intern Med 2019; 179: 1034-1042