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Insulin hält sich auch ohne Kühlung bis zu vier Wochen

Autor: Dr. Moyo Grebbin

Das Ergebnis einer Analyse zur Temperaturbeständigkeit von Insulin dürfte das Leben vieler Menschen mit Diabetes weltweit verändern. Das Ergebnis einer Analyse zur Temperaturbeständigkeit von Insulin dürfte das Leben vieler Menschen mit Diabetes weltweit verändern. © visual_a – stock.adobe.com
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Messungen belegen, dass Insulin den Temperaturen eines afrikanischen Geflüchtetenlagers standhält. Für Ärzte und Hilfsorganisationen weltweit be­deutet dies: schulen statt spritzen.

Diabetespatienten in tropischen Regionen, die keinen Kühlschrank besitzen, mussten bisher oft mehrmals am Tag in eine Klinik gehen – und konnten deshalb bspw. nicht arbeiten. Auch für Hilfsorganisationen stellen fehlende Kühlmöglichkeiten ein Problem dar. Ein gemeinsames Team des Ärzte ohne Grenzen e.V. und der Universität Genf untersuchte daher, inwiefern eine ungekühlte Lagerung Insulin schadet.

Wirkstoffgehalt sank um nicht mehr als 1 %

Zunächst bestimmten die Forschenden dafür in einem Geflüchtetencamp in Kenia den typischen Temperaturverlauf in einer Behausung. Er bewegte sich zwischen 25 °C in der Nacht und 37 °C am Tag. Die gemessenen Temperaturkurven reproduzierten die Schweizer Wissenschaftler anschließend im Labor. „Da Insulinvials nach dem Öffnen vier Wochen lang benutzbar sind, wählten wir diese Dauer für unsere Messungen,“ erklärte Professor Dr. Leonardo­ Scapozza­ von der Universität Genf.

Nach vier Wochen war das warm gelagerte Insulin noch genauso stabil wie das gekühlte. Der Wirkstoffgehalt aller getesteten Präparate hatte sich um nicht mehr als 1 % reduziert – genau wie in den gekühlten Kontrollen. „Die Arzneimittelverordnung erlaubt einen Verlust von bis zu 5 %, wir liegen also gut darunter,“ kommentierte Prof. Scapozza. Auch die Aktivität des Insulins blieb komplett erhalten.

Schließlich analysierten die Forschenden noch Insulin, das tatsächlich im afrikanischen Geflüchtetencamp gelagert worden war – mit demselben Ergebnis: „Das Insulin war uneingeschränkt verwendbar“.

Könnten mehr Diabetespatienten weltweit ihr Insulin mit nach Hause nehmen, vereinfache das ihr Leben enorm, bemerkte Dr. Philippa Boulle von Ärzte ohne Grenzen. Natürlich müsse dies aber damit einhergehen, sie zu schulen und zu unterstützen.

Quelle: Pressemitteilung, Ärzte ohne Grenzen e.V.


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