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Kaum Evidenz für eine Low-Carb-Ernährung bei Typ-2-Diabetes

Autor: Friederike Klein

Lediglich in Studien mit sehr geringem Kohlenhydratanteil veränderte sich der LDL-Spiegel deutlich. Lediglich in Studien mit sehr geringem Kohlenhydratanteil veränderte sich der LDL-Spiegel deutlich. © Yulia Furman, Brad Pict – stock.adobe.com
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Im Rahmen der EASD-Leitlinienerstellung zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes wurde die aktuelle Evidenzlage für eine kohlenhydratarme Ernährung geprüft. Eine allgemeine Ernährungsempfehlung gibt es bislang jedoch nicht.

Entscheidend für Diabetesprävention und Unterstützung der Diabetesbehandlung sind weiterhin die Energiebilanz und die Qualität der Ernährung, betonte Professor Dr. Anne-Marie Aas, Universitätsklinikum Oslo.

Um zu einer Ernährungsempfehlung bezüglich kohlenhydratarmen Essgewohnheiten zu kommen, führte die EASD-Studiengruppe „Diabetes and Nutri­tion“ eine Metaanalyse durch. In die Auswertung gingen 23 Studien für qualitative und 19 Studien für quantitative Analysen ein, in denen randomisiert und kontrolliert Low-Carb- mit anderen Diätformen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verglichen wurden.

Die darin geprüften kohlenhydratreduzierten Diäten waren allerdings uneinheitlich, gab die Expertin zu bedenken. In einigen wurde eine Ernährung mit einem Kohlenhydratanteil von unter 40 % des Gesamtenergiegehaltes der Ernährung gegenüber einer Normalkost mit über 40 % verglichen, andere hatten den Kohlenhydratanteil auf bis zu 5 % der Gesamtenergieaufnahme gesenkt. Auch war bei einigen Diäten eine Gewichtsreduktion intendiert, bei anderen nicht.

Verbesserung des HbA1c nur in kürzeren Studien

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wurde bei Low-Carb-Diät ein leicht reduzierter HbA1c gegenüber Normalkost festgestellt, berichtete Prof. Aas. Dieser Effekt zeigte sich allerdings nur bei Studien mit kurzer Dauer von drei bis sechs Monaten. Längere Studien zeigten keinerlei Vorteile einer kohlenhydratarmen Ernährung für die glykämische Kontrolle. Ob dies auf einen Adaptationsvorgang zurückzuführen ist oder ob die Teilnehmer die Diät einfach nicht so lange durchgehalten haben, ist unklar, so die Referentin.

Einen günstigen Effekt der Kohlenhydratbeschränkung auf Gewichtsreduktion, systolischen oder diastolischen Blutdruck oder Lipide ließ sich nicht belegen, berichtete Prof. Aas. Die Ausnahme war nur eine Senkung des Triglycerid-Spiegels, die bei Low-Carb-Ernährung aber wiederum nur in den Studien mit kurzer Dauer zu beobachten war. Das Ausmaß der Kohlenhydratrestriktion ging in der Metaanalyse nicht mit deutlicheren Effekten einher, nur der LDL-Spiegel veränderte sich bei extremer Low-Carb-Diät mit sehr geringem Kohlenhydratanteil deutlicher.

Ernährungskonzept sollte alltagstauglich sein

Wichtig ist nicht die Kohlenhydrat­restriktion, betonte Prof. Aas, sondern die Art der Kohlenhydratquellen. Wichtig sei, den Patienten ein alltagstaugliches Konzept für die Ernährung an die Hand zu geben. Sie empfiehlt dazu die mediterrane Ernährungsweise, eine traditionelle nordische Kost oder die vegetarische Ernährung. Keine dieser Ernährungsformen sei besonders reich oder arm an Kohlenhydraten, betonte Prof. Aas.

Kongressbericht: EASD 2019

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