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Kleinzelliger Lungenkrebs: Was bringt die prophylaktische Kopfbestrahlung?

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Bei der prophylaktischen kranialen Bestrahlung steht der potenzielle Nutzen möglichen Nebenwirkungen auf die Kognition gegenüber. Bei der prophylaktischen kranialen Bestrahlung steht der potenzielle Nutzen möglichen Nebenwirkungen auf die Kognition gegenüber. © iStock/Mark Kostich
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Hirnmetastasen gehören zu den typischen Absiedlungen des kleinzelligen Bronchialkarzinoms. Die Hoffnung, sie durch eine präventive Bestrahlung zu verhindern, hat sich jetzt zerschlagen.

Lässt sich bei Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (small-cell lung cancer, SCLC) das Gesamtüberleben durch prophylaktische Bestrahlung des Gehirns verlängern? An dieser These kommen dank moderner, verbesserter MRT-Techniken zunehmend Zweifel auf. Dr. Todd A. Pezzi, Radioonkologe vom University of Texas MD Anderson Cancer Center in Houston und Kollegen haben gezielt den Verlauf bei SCLC-Patienten mit und ohne Schädelradiatio verglichen.

Eingeschlossen in die Analyse waren 297 Patienten eines akademischen Krebszentrums, bei denen mittels MRT ein SCLC im limitierten Stadium (Lungengrenze noch nicht sichtbar überschritten) festgestellt worden war. Neben einer Thoraxbestrahlung erhielten 205 Patienten eine Schädelradiatio, die anderen nicht. Um einer möglichen Unausgewogenheit der Gruppen entgegenzuwirken, wurde das Propensity Score Matching basierend auf Patienten-, Tumor- und Behandlungscharakteristika angewandt.

Nach drei Jahren fanden die Autoren zwar einen numerischen Unterschied in der Anzahl der Hirnmetastasen zuguns­ten der kranialen Radiatio, dieser war aber nicht statistisch signifikant. Die kumulative Inzidenzrate betrug 11,2 % im Vergleich zu 20,4 % bei alleiniger Thoraxbestrahlung. Einen Unterschied im Gesamtüberleben zwischen beiden Gruppen gab es nicht (Hazard Ratio 0,84).

MRT-Überwachung und stereotaktische OP geeigneter

Die Autoren räumen ein, dass es sich um eine retrospektive Analyse handelt, wobei durch das Propensity Score Matching eine gute Balance erreicht worden sei. Sie schlussfolgern, dass der potenzielle Nutzen der prophylaktischen Radiatio angesichts der toxischen neurokognitiven Effekte der Ganzhirnbestrahlung bei unselektierten Patienten mit Lungenkrebs im limitierten Stadium gering ist. Stattdessen spreche vieles dafür, dass eine MRT-Überwachung und ggf. die stereotaktische Radiochiurgie die beste Option für ausgewählte SCLC-Patienten darstellt.

Quelle: Pezzi TA et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e201929; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.1929

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